Instrumente

Rühlmann-Orgel in St. Petri Löbejün

Rühlmann-Orgel in St. Petri

Orgelbauer

Wilhelm Rühlmann

Orgelgeschichte

(Die unterstrichenen Begriffe finden sich im Orgelglossar.)

Die im Jahr 1901 erbaute Orgel von Wilhelm Rühlmann ersetzte ein Instrument aus der Renaissance des Orgelbauers David Beck von 1591. Lediglich die sogenannten Orgelflügel, eine Art Tür zum Verbergen der Pfeifen, sind mit ihren kunstvollen Malereien erhalten geblieben. Mit dem aus der gleichen Zeit stammenden Altar bilden sie zusammen ein künstlerisches Ensemble, welches eine Besonderheit für die Region darstellt. Die Orgelflügel sind sogar die letzten ihrer Art in Sachsen-Anhalt. Da sie nicht zur Rühlmann-Orgel passen, sollen sie nach ihrer Restaurierung an anderer Stelle in der Kirche präsentiert werden.

Valentin Hausmann (III), Sohn des Gerbstedter Komponisten, Verlegers, Musikers und Dichters Valentin Hausmann (II) (um 1560–1611|1613) und Großvater des in Löbejün geborenen Valentin Bartholomäus Hausmann (1675–1736), war Organist in Löbejün.

Kirche St. Petri in Löbejün

 

Die Rühlmann-Orgel wurde wie viele in der Zeit um 1900 im Stile der Romantik erbaut. Damit zeichnet sie sich durch einen warmen und grundtönigen Klang aus, der sich vom hellen und rauschenden Timbre der Barockorgeln deutlich unterscheidet.

Jedoch blieb der Gesamtzustand dieses Instrumentes nicht lange erhalten. Im Ersten Weltkrieg wurden die Prospektpfeifen für die Rüstungsindustrie verwendet. Dabei bildeten gerade diese das Register Prinzipal 8‘ und Octave 4‘, was das klangliche Fundament des typischen Orgelklangs darstellt. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte geriet die Orgel immer weiter in einen kritischen Zustand. Viele Teile nutzten sich ab, das zweite Manual war schon bald nicht mehr spielbar und der Schmutz sowie Holzschädlinge brachten die Orgel an den Rand der Unspielbarkeit.

Im Jahr 2018 wurde die Orgel deswegen von Grund auf saniert. Verschlissene Teile wurden ausgetauscht, das Innere gereinigt und auch die silbern glänzenden Prospektpfeifen wurden nachgebaut und wieder in die Orgel integriert. Heute ist sie voll funktionsfähig und zeichnet sich durch einen kräftigen Klang mit vielen Grundstimmen aus. Dieser fügt sich sehr gut in den Kirchenraum ein und wirkt auch im Tutti (alle Register gezogen) nicht aufdringlich.

Innenansicht der Kirche St. Petri in Löbejün

Technische Ausstattung

Die Orgel verfügt über 22 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal mit pneumatischer Traktur auf Kegelladen, die typisch für Rühlmann ab dem Jahr 1900 waren. Dabei gestaltet sich das Klangbild romantisch. Jedoch lassen sich hier Register finden, die bspw. im Vergleich zur Orgel in Nauendorf wesentlich heller klingen. So besteht allein das Hauptwerk aus 10 Registern, wovon 5 Grundstimmen sind (8-Fuß-Register). Für noch mehr Bass sorgt ein Bordun 16‘. Dabei handelt es sich um eine sogenannte gedackte Orgelpfeife, sprich, die Pfeife ist oben mit einem Deckel verschlossen. Durch diesen kann die Luft nicht nach oben entweichen und muss – nicht-physikalisch gesprochen – wieder zurück durch die Pfeifenöffnung, an der der Klang erzeugt wird. Sie muss dadurch sozusagen den doppelten Weg zurücklegen, was den Ton eine Oktave tiefer erklingen lässt. Das spart natürlich viel Platz, denn immerhin ist die Pfeife eines gedackten Registers nur etwa halb so hoch wie die eines offenen. So ist das Register Bordun 16‘ nur 2,40 Meter hoch. Wäre es offen, bräuchte man knapp 5 Meter Platz nach oben.

Des Weiteren finden sich im Hauptwerk auch höher klingende Register, die dem Klangbild der Orgel mehr Glanz verleihen. Ganz besonders ist hierbei auch die Trompete 8‘. Dieses Register klingt sehr kräftig. Dabei kann es nicht nur den Orgelklang im Ganzen verstärken. Es eignet sich auch sehr gut als Soloregister.

Im zweiten Manual finden sich vor allem zarte Stimmen mit einem sehr weichen Klang. Hervorzuheben ist hierbei die Voix céleste 8‘, ein Schweberegister, welches einen streichenden und schwebenden Klang erzeugt und typisch für die Romantik ist.

Jedoch ist diese Orgel auch dazu fähig, im Sinne der Romantik einen starken und kräftigen Klang zu erzeugen. So steht dem Organisten im Pedal zusätzlich zum Subbass 16‘ und dem Violon 16‘ auch eine Posaune 16‘ zur Verfügung. Mit diesem Register ist es möglich, tiefe und laute Basstöne zu erzeugen und den ganzen Kirchenraum mit einem mächtigen Klang zu erfüllen.

Spieltisch

Klangbeispiele

Einspielung: Maximilian August

Flötenregister 8′ und 4′

Plenum

Trompete als Soloregister

Voix céleste

Literatur

Holger Brülls, Mathias Köhler, Die Flügeltüren der verlorenen Renaissance-Orgel in der Stadtkriche zu Löbejün. Ein bedeutendes Zeugnis mitteldeutscher Malerei und Orgelbaukunst in Sachsen-Anhalt, in: Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt, Nr. 2/07, S. 111127.

Hans-Joachim Falkenberg, Richard Rensch, Zwischen Romantik und Orgelbewegung. Die Rühlmanns. Ein Beitrag zur Geschichte mitteldeutscher Orgelbaukunst 1842–1940, Lauffen 1995.

Flyer Freundeskreis Orgel Löbejün, https://www.kgv-wettin.de/kirchen-und-gemeinden/loebejuen/ (21.06.2020)

Links

Kirchengemeinde Löbejün

Sankt Petri in Löbejün: Orgel-Flügel prächtig bemalt, MZ-Artikel vom 20.01.2014

Materialien zum Download

Arbeitsblatt (PDF):

Die Rühlmann-Orgel in St. Petri Löbejün (Schüler-Arbeitsblatt im Word-Format für Lehrer*innen auf dem Landesbildungsserver)

Powerpoint-Präsentation:

Von der Taste zum Ton (Eine kleine Führung durch die Orgel), Autorin: Friederike Heckmann

Maximilian August 2020

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2020 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.