Musikleben

Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt

Konzert 2016 in der Händelhalle in Halle (Saale)

 

Zur Förderung der regionalen Musikkultur ist besonders die Unterstützung junger Talente von großer Bedeutung. Für junge Nachwuchsmusiker*innen bietet das Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt (kurz JSO) die Möglichkeit, frühzeitig Orchestererfahrungen auf einem musikalisch anspruchsvollen Niveau zu sammeln. Das Orchester soll dabei eine Ergänzung zum Ensembleunterricht an den örtlichen Musikschulen und eine Anschlussförderung an den Wettbewerb „Jugend musiziert“ bieten.

Die Jugendlichen treffen sich zweimal jährlich zu einer zehntägigen Arbeitsphase am Ende der Sommer- bzw. Winterferien. Eine Arbeitsphase besteht dabei aus Stimm- und Register- und anschließend Tuttiproben. Den Abschluss einer Arbeitsphase bilden Konzerte, in denen das erarbeitete Programm präsentiert wird. Prof. Heribert Beissel leitet das Orchester und wird dabei von Tutoren aus der Staatskapelle Halle und der Anhaltischen Philharmonie Dessau unterstützt.

Mitgliedschaft

In der Regel sind die Jugendlichen für drei Jahre (also sechs Arbeitsphasen) Mitglied des Orchesters. Im Vorfeld haben sie für die Aufnahme in das Orchester ein Probespiel absolviert oder erhielten als Preisträger*innen des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ eine Einladung zum Mitwirken im Orchester.

„Orchestermitglied ist man so lange, bis Platz für Jüngere gemacht werden muss oder man selbst seinen Austritt erklärt hat. Ehemalige Orchestermitglieder können sich auf Wunsch als Aushilfen registrieren lassen und so bei Bedarf nochmals im JSO mitarbeiten.“ (Website des Landesmusikrates, s. Link unten)

Aktuell (Stand Juni 2019) zählt das Orchester 95 Mitglieder, von denen jedoch nicht immer alle zu jedem Projekt erscheinen. Das aktuelle Durchschnittsalter liegt bei 17 Jahren. Dabei sind die Bläser zumeist etwas älter, die Streicher eher jünger. Viele ehemalige Orchestermitglieder sind inzwischen in deutschen Berufsorchestern heimisch geworden.

Konzert 2017 in der Musikhalle in Hamburg

Entwicklung und Höhepunkte

Das Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt wurde 1992 in Halle (Saale) auf Initiative von Generalmusikdirektor Prof. Heribert Beissel, der seit 1991 Chefdirigent der Halleschen Philharmonie war, gegründet. Im Sommer folgte noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Auftaktprojekt  mit der Militärsinfonie von Joseph Haydn. Schließlich begannen die ersten Probespiele im Herbst des Jahres, nach denen das Orchester 47 Mitglieder zählte. Das erste öffentliche Konzert des JSO fand im Februar 1993 im Neuen Theater in Halle (Saale) statt.

Seitdem war das Orchester zu Gast bei diversen Musikfesten, wie dem Jugendmusikfest Sachsen-Anhalt, dem Kultursommer Nordhessen, dem Quedlinburger Musiksommer, dem Bonner Sommer und den Weißenfelser Schlossfestspielen. Einen festen Partner hat das JSO in der Chorgemeinschaft des Landstraßer Bundesrealgymnasiums in Wien gefunden, bei der es 1997 und 2001 zu Besuch war.

Bei der Probe im Wiener Musikverein 1997

 

Im Jahr 2003 spielte das Orchester den Soundtrack für den Animationsfilm Globi und die gestohlenen Schatten ein und übernahm die musikalische Umrahmung des zentralen Festaktes der Bundesregierung zum Tag der Deutschen Einheit, welcher vom ZDF live übertragen wurde. Zweimal (2005 und 2011) durfte das Ensemble musikalische Beiträge in die Weihnachtsfeier des Bundespräsidenten, die ebenfalls vom ZDF übertragen wurde, einbringen. Einen weiteren musikalischen Höhepunkt stellte für das JSO 2006 eine Gastspielreise ins französische Orlèans dar. Inzwischen hat das Orchester vier CD-Produktionen veröffentlicht, deren Auflagen jedoch vollständig vergriffen sind.

Kennzeichen der musikalischen Arbeit des Orchesters war immer die stilistische Ausgewogenheit. Während der Mitgliedschaft sollen die Jugendlichen die Möglichkeit haben, alle Gattungen der Musik einmal gespielt zu haben: von der Oper über Sinfonie und Solo-Konzert bis hin zur Neuen Musik. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf romantischen Sinfonien.

Vor Schloss Chambord in Frankreich 2006

Klangbeispiele

Live-Mitschnitt vom 10.08.2009 in der Händel Halle in Halle (Saale):

Max Bruch, 1. Violinkonzert g-Moll op. 26, Violine: Kathy Kang

1. Satz: Allegro moderato

2. Satz: Adagio

3. Satz: Finale – Allegro energico

 

Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 1 D-Dur „Der Titan“

1. Satz: Langsam. Schleppend. Wie ein Naturlaut – Im Anfang sehr gemächlich

2. Satz: Kräftig bewegt, doch nicht zu schnell

3. Satz: Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen

4. Satz: Stürmisch bewegt

Links

Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt (Website des Landesmusikrates Sachsen-Anhalt)

Konzert in der Händelhalle: 17-Jähriger spielt Tschaikowskis Klavierkonzert (Artikel in der Mitteldeutschen Zeitung)

Materialien zum Download

Infoblatt zur 50. Arbeitsphase des Orchesters im Winter 2017

Anna Sobbe 2019

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2018 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.