Komponisten

Klimek, Jens (* 1984)

* 19. April 1984 in Magdeburg

Biografie

Jens Klimek wurde 1984 in Magdeburg geboren. Von 1996 bis 2003 besuchte er das Landesgymnasium für Musik in Wernigerode. Hier erhielt er eine grundlegende Ausbildung in den Fächern Musikgeschichte, Musiktheorie, Gehörbildung, Chorleitung (bei Helko Siede) und Partiturspiel. Er schloss die Schule mit dem Abitur ab. Ferner erlangte er die Chorleiterbefähigung C1 und C2.
Am Landesgymnasium für Musik leitete Klimek von 1999 bis 2003 das Schülerkammerorchester der Schule und sang von 2000 bis 2003 im renommierten Rundfunk-Jugendchor. Erste kompositorische Versuche startete er im Alter von 11 Jahren. Mit 13 Jahren entstanden die ersten Opernskizzen und Orchesterwerke, welche im Rahmen der Orchesterwerkstätten am Theater in Halberstadt zur Aufführung kamen.

2004 bis 2010 studierte Klimek Musik und Anglistik an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg (Lehramt für Gymnasien). Ferner erhielt er Kompositionsunterricht bei Bernhard Schneyer (Magdeburg) und Prof. Thomas Buchholz (Halle (Saale)). Klimek leitete von 2005 bis 2015 erfolgreich den Cantamus-Chor Magdeburg und arbeitete von 2006 bis 2010 ehrenamtlich mit Häftlingen der JVA Magdeburg an einem Chorprojekt. Er nahm an Kompositionsworkshops bei Annette Schlünz und Helmut Lachenmann teil.

Seit 2009 ist Jens Klimek Mitglied im Deutschen Tonkünstlerverband und im Deutschen Komponistenverband. Darüber hinaus ist er Vorstandsmitglied der Komponistenklasse Sachsen-Anhalt. Heute unterrichtet er am Landesgymnasium für Musik Wernigerode in den musikalischen Spezialfächern.

Musik / Werke

Zahlreiche Uraufführungen und Wettbewerbserfolge belegen die kontinuierliche kompositorische Arbeit Klimeks. So gewann er 2006 den 2. Preis beim Kompositionswettbewerb anlässlich des 7. Deutschen Chorwettbewerbes mit dem Chorwerk The Garden of love (UA Oldenburger Kammerchor, Kiel 2006) sowie im Juni 2008 den 1. Preis beim Kompositionswettbewerb anlässlich des 1. Internationalen Männerkammerchorwettbewerbes Lipanski zvuci in Petrinia/Kroatien mit Three Madrigals nach Texten von Dante, E. A. Poe und W. Blake.

2014 wurde seine Komposition für Jugendchor tå-ka-la-la-ka-tå mit dem 1. Preis beim Kompositionswettbewerb Styria Cantat ausgezeichnet. Zu dem im Verlag Edition Peters erschienenen Werk heißt es auf der Website des Komponisten (s. u. Link):
„Das Stück tå-ka-la-la-ka-tå gewinnt seine Spannung aus dem ständigen Spiel mit den Silben tå (sprich: to mit offenem o), ka und la. Dabei werden zusätzliche Klangmittel wie Summen oder Stampfen verstärkend hinzugefügt. Beginnend auf einem einzigen Ton, fast statisch, erwächst eine in sich schwebende und fluktuierende Fläche, aus der sich, ausgehend von einem einzigen Motivfetzen, eine dramatische Steigerung vollzieht, die sowohl tonal als auch vom musikalischen Gestus her dem Beginn des Werkes kontrastiv gegenüber steht.“ (Vgl. Klangbeispiel unten)

Hinzu kommen Auftragswerke, so z. B. 2013 der Chorzyklus MADRIGALismen anlässlich des 50‑jährigen Jubiläums der Hallenser Madrigalisten und 2015 Outstare the stars für den Glee Club der Cornell University im US-Staat New York (s. u. Klangbeispiel).

Klimek beschäftigt sich in seinen Kompositionen auch mit gesellschaftspolitischen Themen. So erinnert das Werk On December 15,  2007 für Violine, Viola, Violoncello und Bassklarinette an einen Moment des Irakkrieges. 60° 125N, 10° 1453E – MEMORANDUM, ein Auftragswerk der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck, ist ein Mahnmal für das am 22. Juli 2011 von Anders Breivig auf der Insel Utoya (der Werktitel entspricht den Koordinaten der Insel) verübte Attentat auf ein Sommerferienlager für Jugendliche, bei dem 69 Menschen ums Leben kamen.

Kompositionen von Jens Klimek sind im Hayo Musikverlag,  bei Musikal Spezial / Edition Ferrimontana und Edition Peters erschienen. Zahlreiche Werke werden vom Komponisten selbst in der Petrucci Music Library und bei ChoralWiki kostenlos zum Download bereit gestellt. Ausführliche Informationen zu den Kompositionen von Jens Klimek inkl. Hörbeispielen sind auf der Website des Künstlers zu finden.

 

Erste Partiturseite der „Alliterationen“

 

Klimeks zweisätzige Komposition Sonnenfeuer entstand 2019 als Auftragskomposition für das IMPULS-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt und wurde vom Landes-Akkordeon-Ensemble Sachsen-Anhalt uraufgeführt. Auf der Website von IMPULS heißt es dazu:
„Seine [Klimeks] zweisätzige Komposition ist von den Ritualen einer Sonnenwendfeier inspiriert. Dabei verkörpert der erste Satz die musikalische Stasis, den Stillstand und Verharren im Klang. Quasi meditativ und unterbrochen von ‚Atemstößen‘ werden Akkorde in sich bewegt und schweben im Raum. Der zweite Satz ist Motorik, rhythmisches Aufbäumen. Dabei werden neben den bekannten Akkordeonklängen auch besondere Spielweisen und Sprechaktionen erwartet, die das Klangspektrum erweitern und neugierig machen sollen.“ (http://www.impulsfestival.de/2019/concert/windkraft-und-sonnenfeuer-2/)

Werkauswahl

Instrumental
On December 15, 2007 für Violine, Viola, Violoncello, Bassklarinette, UA 2008 Magdeburg
In Lucem Sanctam für Orchester, 2009
Lieferung frei Haus! für Klarinette, Bassklarinette (1 Spieler), Sprecher, UA 2010 Halle (Saale)
Alliterationen für Violine, Horn, Klavier, UA 2012 Halle (Saale)
Ombra cara Radamisto-Fragmente für 4 Posaunen, UA Halle (Saale) 2012
Vintertröst, Klavierquartett
Sonnenfeuer für Akkordeon-Ensemble, UA 2019 Kalbe

Vokal
Die Jacobus Gesänge, Chor 4-stimmig, Orgel, UA 2009 Dresden
Songs from days of ashes, Liederzyklus für Bass-Bariton und Klavier, UA 2008 Velpke
The Door of Death für gemischten Chor a cappella
MADRIGALismen, Chorzyklus, Auftragswerk der Hallenser Madrigalisten anlässlich des 50‑jährigen Jubiläums 2013
Thou risest, Chor 6-stimmig, UA 2015 Moorhead
Vom Schnee getragen …, gemischter Chor 6-stimmig
Tå‑ka‑la‑la‑ka‑tå für Jugendchor, UA 2015 Graz
Outstare the stars, Auftragswerk des Cornell University Glee Club 2015

Klangbeispiele

Outstare the Stars, Musik: Jens Klimek, Text: Vladimir Nabokov, Cornell University Glee Club, Dirigent: Robert Isaacs

Tå‑ka‑la‑la‑ka‑tå, Singschul‘ der Oper Graz, Leitung: Mag. Andrea Fournier, Bundesjugendsingen 2017 Stadthalle Graz

Vintertröst, Garth Newel Piano Quartet

Jens Klimek auf Youtube (Playlist)

Literatur

Kathrin Singer, Jens Klimek: Neue Musik darf auch gefallenin: Volksstimme.de, 17.09.2016, https://www.volksstimme.de/kultur/chorfest-magdeburg-jens-klimek-neue-musik-darf-auch-gefallen.

Link

Website des Komponisten: www.jensklimek.de

SM/Kerstin Hansen 2019