Musikleben

Ferropolis

Ferropolis – Die Stadt aus Eisen ist eine gigantische Museumslandschaft in der Nähe von Gräfenhainichen im ehemaligen Braunkohletagebau Golpa-Nord und gleichzeitig Veranstaltungsort zahlreicher Großevents vom Musikfestival bis hin zu Sportveranstaltungen wie dem IRONTOWN Triathlon.

Luftbild von Ferropolis

 

Entstanden ist Ferropolis 1991 im Rahmen des Bauhaus-Projektes „Industrielles Gartenreich“ in Anlehnung an das Dessau-Wörlitzer Gartenreich des 18. Jahrhunderts. Zahlreiche Tagebaue in der Region wurden nach der politischen Wende 1989/90 und dem Niedergang der mitteldeutschen Braunkohleindustrie geflutet, so dass neue Seenlandschaften und Naherholungsgebiete entstanden. Eine Halbinsel im Gremminer See wurde zur musealen Kulisse für fünf Tagebau-Großgeräte – drei Bagger und zwei Absetzer mit so spektakulären Namen wie Mosquito, Mad Max oder Medusa –, von denen einer der Bagger (Gemini) für Besucher geöffnet ist. Ebenso gibt es ein Museum zur  regionalen Bergbaugeschichte mit Schülerlabor zu erneuerbaren Energien.

Verbunden mit dem Gedanken des Bewahrens einer untergegangenen Industriekultur, ist in Ferropolis ein „Neubeginn im Umgang mit Natur und Landschaft“ (Antz/Neef 2005, S. 66) in Form einer 25 000 Menschen fassenden Arena realisiert worden. Diese wurde am 16. Juli 2000 im Rahmen der EXPO durch ein Konzert von Mikis Theodorakis und Lichtinstallationen von Gerd Hof eingeweiht.

Arena für 25 000 Zuschauer in Ferropolis

 

Seither ist Ferropolis Veranstaltungsort für Konzerte verschiedenster Genres: Interpreten wie Peter Maffey, Herbert Grönemeyer, Nena, Udo Lindenberg, Die Toten Hosen, Jethro Tull, Skunk Anansie, Pet Shop Boys, Deep Purple, Die Ärzte, aber auch Metal-Bands wie Metallica und Linkin Park traten schon in dem besonderen Ambiente auf.

Die Verdi-Oper Nabucco wurde in der Baggerstadt mehrfach von Künstlern der Mailänder Oper aufgeführt, im Jahr 2007 erklang Orffs Carmina Burana. Ebenfalls 2007 fand anlässlich des 400. Geburtstages von Paul Gerhardt, der in Gräfenhainichen geboren wurde, ein großes Chorfest zu Ehren des bekannten Kirchenlieddichters statt.

Melt! Festival 2012

 

Mehrere bedeutende Musikfestivals haben sich inzwischen in Ferropolis etabliert, die Zehntausende von Besuchern anziehen:

Seit 1999 ist  Ferropolis jährlicher Veranstaltungsort für das mehrfach preisgekrönte (u. a. Artist’s Favourite European Festival 2010) internationale Rock-Pop-Elektro-Festival Melt!. Die Gäste schätzen nicht nur die Möglichkeit, auf dem Festivalgelände kostenlos zu zelten. Die nächste Wohnsiedlung ist mindestens 7 km entfernt, so dass es auch in räumlicher wie akustischer Hinsicht unter Einhaltung der geltenden Umweltauflagen kaum Einschränkungen gibt, was ein ungehemmtes Feiern, Jubeln und „Abtanzen“ über mehrere Tage hinweg möglich macht (vgl. Zauft/Pantenius 2009, S. 166).

Das Hip-Hop-Festival „splash!“ hat im Jahr 2009 seinen Austragungsort von der Halbinsel Pouch bei Bitterfeld nach Ferropolis verlegt. Seit 2017 findet auch das Metal-und-Punk-Festival „With Full Force“ in der Baggerstadt statt.

Im Gedenken an die bergmännische Geschichte des Ortes wird auf dem Gelände von Ferropolis ein jährlicher Bergmannstag veranstaltet, bei dem u. a. regionale Bergmannskapellen und –chöre aufspielen (vgl. dazu auch den Musikkoffer-Artikel zum Mansfelder Bergmannslied).

Literatur

Christian Antz (Hrsg.), Christoph Neef (Text), Musikland Sachsen-Anhalt. Eine musikalische Reise durch Sachsen-Anhalt (= Kulturreisen in Sachsen-Anhalt, Bd. 4), Dößel (Saalekreis) 2005, S. 66–67.

Karin Zauft, Michael Pantenius, Musikleben in Sachsen-Anhalt. Reiseführer, Halle (Saale) 2009, S. 165–166.

Links

Website von Ferropolis

Website von „Melt!“

Website von „With Full Force“

Website von „splash!“

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