Musikleben

Montalbâne (Festival und Ensemble)

„Montalbâne“ (weißer Berg), die Trutzburg, die der mittelhochdeutsche Dichter Heinrich von Veldeke im 12. Jahrhundert in seinem Eneasroman beschrieb, wurde zum Namensgeber für „eines  der innovativsten Festivals für mittelalterliche Musik in Europa“, so die Veranstalter auf ihrer Website (s. Link unten).

Das dreitägige internationale Musikfestival „montalbâne“ findet seit dem Jahr des Mauerfalls 1989 im Schloss Neuenburg hoch über dem Städtchen Freyburg (Unstrut) – hier hat sich einstmals auch Veldeke aufgehalten – und in der Kirche St. Marien in Freyburg statt. Erstmalig wird im Jahr 2020 die Rotkäppchen Sektkellerei Veranstaltungsort für das Eröffnungskonzert sein. Die künstlerische Festivalleitung hat Susanne Ansorg inne, Spezialistin für mittelalterliche Streichinstrumente und Musiktheorie des Mittelalters.

Eng mit dem Festival verbunden ist das auf Schloss Goseck im Burgenlandkreis beheimatete „montalbâne Ensemble“, hervorgegangen aus dem Leipziger Ensemble „loculatores“ und bestehend aus in Mitteldeutschland ansässigen Musikern mit internationalem Renommee, die sich auf mittelalterliche und traditionelle Musik spezialisiert haben. Drei der festen Ensemblemitglieder leben selbst in dem Schloss, einer ehemaligen Benediktinerabtei mit romanischer Klosterkirche. Hier entstehen die jeweiligen Festivalprogramme und finden die Proben statt.

Schloss Goseck – Schlosshof mit Schlosskirche

 

Schon durch die örtliche Ausrichtung wird die enge Verbundenheit von „montalbâne“ mit der landesweiten Straße der Romanik deutlich. Das mit dem „Romanikpreis 2014 in Gold“ ausgezeichnete Ensemble versteht sich nicht nur „als musikalisches Projekt in wechselnden Besetzungen“, sondern auch „als aktives Netzwerk innerhalb der Tourismusstrukturen des Landes Sachsen-Anhalt“ (s. http://www.montalbane.de/montalbane-ensemble.html). In diesem Sinne war das Ensemble offizieller musikalischer Botschafter des UNESCO-Welterbe-Antrages „Der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut“, der allerdings erst mit der Beschränkung auf den Naumburger Dom allein erfolgreich war und 2018 zur Aufnahme des Doms in die UNESCO-Weltkulturerbeliste führte.

Das Ensemble „Sanstierce“, Gast beim „montalbâne Festival“ 2019

 

Grundlegend für die Interpretation mittelalterlicher Musik sind nicht nur exzellente Musiker, sondern auch Fachwissen und Forschergeist. „Häufig ist von den Stücken wenig überliefert, selten gibt es Text und Musik zusammen“, so Susanne Ansorg in einem Zeitungsinterview (Schafmeister 2018). Damit stecke auch viel Persönliches der Musiker in der jeweiligen Interpretation, um sowohl der Musik selbst als auch den Erwartungen des Publikums, das nicht selten auf der Suche nach „etwas Mystik und Spiritualismus“ sei, gerecht werden zu können. Ziel ist ein authentischeres Klangbild, als es bei vielen auf Perfektion ausgerichteten Aufführungen mittelalterlicher Musik geboten werde. Auch Open-Air-Veranstaltungen wie Mittelaltermärkte werden vom „montalbâne Ensemble“ gemieden, da es hier „mehr um die Bühnenshow, um die Lautstärke und um die Aufmerksamkeit der Massen“ gehe (ebd.).

Seit einigen Jahren gibt es beim „montalbâne Festival“ Gruppenführungen durch die nächtliche Neuenburg, verbunden mit  mehreren „Mini-Konzerten“ von 15 Minuten Dauer in verschiedenen Räumen. Durch solche Wandelkonzerte versuchen die Veranstalter mit Erfolg, auch ein jüngeres Publikum anzusprechen.

Klangbeispiele

Ludibus devotis Bennonis („montalbâne Ensemble“ auf SoundCloud)

montalbâne Ensemble – Gregorianik in der Krypta Memleben

Freyburg, ich muss dich lassen („montalbâne“ 2017, Zugabe)

montalbâne auf Youtube (Playlist)

Literatur

Christian Schafmeister, Porträt über das montalbâne Ensemble, Serie 25 Jahre Straße der Romanik, Mitteldeutsche Zeitung, 28. Juni 2018, https://romanik-strasse-erleben.de/montalbane/

Links

Website von „montalbâne“

MDR Kultur, Radiointerview vom 16. Juni 2017, Grit Friedrich im Gespräch über „montalbâne“

„Singende Steine. Von versteinerten Psalmen und dem Klang des Schweigens“

SM 2019