Musikleben

Ermlitz – Kulturgut

Das ehemalige Rittergut Ermlitz hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich und ist heute Ort zahlreicher Kulturveranstaltungen wie Oper, Klassik- und Jazzkonzerte, Theateraufführungen und Lesungen. Damit knüpft es an eine lange Tradition als Begegnungsstätte von bedeutenden Musikern und Literaten an.

Herrenhaus Ermlitz (Gemeinde Schkopau)

Geschichte

Das Gut im 1428 erstmals erwähnten Ort Ermlitz, heute ein Ortsteil der Gemeinde Schkopau im Saalekreis, war zunächst Sitz der Familie von Bose. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde das heute noch stehende barocke Herrenhaus neu erbaut und dahinter ein Park im englischen Stil angelegt. 1771 kaufte der spätere Bürgermeister von Leipzig, Heinrich Friedrich Innocentius Apel, das Anwesen. Der seither auch Apel’sches Gut genannte Besitz war bis zur Enteignung 1945 Eigentum der Familie Apel.

Bis 1999 wurde das Haus als Kinderheim genutzt. 2001 kaufte der letzte Nachkomme der Familie, Gerd-Heinrich Apel, sein ehemaliges Elternhaus zurück und gründete 2002 die „Apelsche Kulturstiftung“, die umfangreiche Sanierungsarbeiten einleitete. Besonders bedeutsam sind die mit wasserlöslichen Gouache-Farben bemalten Leinwandtapeten, die glücklicherweise erhalten geblieben sind und schrittweise restauriert werden.

Musikhistorische Bedeutung

Kulturhistorische Bedeutung erlangte das Apel’sche Gut zunächst mit Johann August Apel (1771–1816), dem jüngsten Sohn von Heinrich Friedrich Innocentius Apel, der sich mit zahlreichen Größen der damaligen Musik- und Literaturszene umgab und diese auf seinem Gut beherbergte. Darunter waren der Komponist Carl Maria von Weber und Literaten wie Friedrich Laun, Friedrich Rochlitz, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und Friedrich Kind.

So wurde Gut Ermlitz zum Geburtsort der Oper Der Freischütz von Carl Maria von Weber, der zu den engsten Freunden Apels gehörte. Apel, der sich selbst literarisch betätigte, hatte  zusammen mit seinem Freund Friedrich Laun das Gespensterbuch verfasst, eine zu ihrer Zeit erfolgreiche romantische Geschichtensammlung über Feen, Geister und Gespenster. Die darin enthaltene Novelle Der Freischütz wurde von Friedrich Kind zum Libretto umgearbeitet. Heute steht der historische Hammerflügel, an dem Weber die Ouvertüre zu seiner Oper komponiert haben soll, nach Jahren im halleschen Händel-Haus wieder im Musiksalon des Herrenhauses. Nach einem Tagebucheintrag Apels hatte Weber am 3. September 1812 „eine neue Sonate, ungeheuer schwer“ auf diesem Instrument vorgetragen (http://www.webergesellschaft.de/jahresversammlungen/jahresversammlung-2016/).

Auch das im Jahr 1990 in Hamburg uraufgeführte Musical The Black Rider von Robert Wilson, Tom Waits und William S. Burroughs basiert auf der Freischütz-Geschichte aus Apels Gespensterbuch und feierte auf zahlreichen Bühnen weltweit Erfolge.

Johann August Apels Sohn Guido Theodor (1811–1867) lernte in der Leipziger Nikolaischule den zwei Jahre jüngeren Richard Wagner kennen. Die intensive Freundschaft der beiden zeigt sich u. a. in mehr als 40 Original-Briefen Wagners an seinen deutlich vermögenderen Schulfreund, die zur Sammlung des Herrenhauses gehören. Bereits in jungen Jahren war Richard Wagner stets knapp bei Kasse, so dass es sich im Grunde um „recht charmante Bettelbriefe“ handele, so Gabriela Mackenthun, stellvertretene Vorsitzende des Fördervereins Kultur-Gut Ermlitz e. V (https://www.neues-deutschland.de/artikel/979489.wo-richard-wagner-bettelte.html). In einem dieser Briefe von 1836 schrieb Wagner: „Mein Horizont umwölkt sich immer mehr. Ich nehme Dein Anerbieten einer Zuflucht in Ermlitz an; – gieb Auftrag, daß man mich wenn ich ankomme, aufnimmt u. mir ein Zimmer anweist. Leb wohl! Dein Richard W.” (https://www.sachsen-lese.de/index.php?article_id=408)

Auch Guido Theodor Apel war literarisch tätig. In den Jahren 1832 bis 1836 war Wagner häufig Sommergast in Ermlitz. In dieser Zeit vertonte er ein Gedicht Apels und schrieb die Bühnenmusik zu dessen Drama Columbus. Die Ouvertüre dazu wird auch heute von Zeit zu Zeit gespielt (s. Klangbeispiele).

Felix Mendelssohn Bartholdy, den Guido Theodor Apel durch Wagner kennenlernte, zählte ebenfalls zu den Gästen des Herrenhauses.

Im Gutspark Ermlitz

Aktuelles

Neben der kulturellen Nutzung des ehemaligen Ritterguts können Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Herrenhauses und die Belle Etage im 1. Stock mit fünf ineinander übergehenden, prachtvoll restaurierten Salons sowie der Kuhstall für Tagungen, Hochzeiten und andere Festivitäten inkl. Catering gemietet werden. Auch standesamtliche Trauungen sind möglich (Informationen unter https://ermlitz-rittergut.de/).

Das Kulturgut Ermlitz ist die 12. Station der mitteldeutschen Straße der Musik.

Klangbeispiele

Richard Wagner, Columbus-Ouvertüre, Jeffrey Tate, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks; inkl. Partitur zum Mitlesen

Richard Wagner, Christopher Columbus, WWV 37, MDR-Sinfonieorchester, Jun Märkl, Naxos 2017

The Black Rider (Trailer), Schauspiel Essen

Weber: Der Freischütz, Dresden 1985, Wiedereröffnung Semperoper, Mitschnitt einer öffentlichen Probe vom 10. Februar

Links

Website Kultur-Gut Ermlitz

Herrenhaus Ermlitz. Ein Schloss für Wagnerfreunde nahe Schkeuditz, MZ-Artikel von Günter Kowa (01.07.2005)

Das Herrenhaus Ermlitz, Sachsen-Lese (Ursula Brekle)

Heim ins Kulturdenkmal, Kulturstiftung der Länder

Wo Richard Wagner bettelte, Artikel von Uwe Kraus (31.07.2015)

Carl-Maria-von-Weber-Gesellschaft, Jahresversammlung der Weber-Gesellschaft 2016, Mitgliedertreffen auf dem Kultur-Gut Ermlitz, 22.–24. April 2016

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