Musikleben

Bobo (Sängerin)

Bobo in den Kolonnaden am Weimarer Goetheplatz 2016

 

Die Sängerin Bobo oder auch „Bobolina“, vielfach als „Deutschlands Pop-Hoffnung aus dem Osten“ tituliert, heißt mit bürgerlichem Namen Christiane Hebold und wurde nach eigener Aussage in Merseburg (Interview aus dem Jahr 2018, s. Link unten) geboren. Sie wuchs u. a. im sachsen-anhaltischen Gräfenhainichen auf, wo ihr Vater Pfarrer und ihre Mutter Kirchenmusikerin war.

Bereits als 13-Jährige gründete sie mit zwei Freundinnen ihre erste eigene Band. Ein Gesangsstudium führte sie mit 17 Jahren nach Weimar an die Musikhochschule, wo sie auch einen Abschluss in Gesangsmethodik erhielt. Während des Studiums sang sie in einer Jazzrockband in Halle, in der Sebastian Herzfeld, der spätere langjährige musikalische Leiter des Neuen Theaters und des Puppentheaters Halle (2005–2011), Bass spielte.

Im Jahr 1990 wechselte Bobo nach Berlin, wo sie den Gitarristen Frank Heise kennenlernte. Mit ihm und zwei weiteren Musikern gründete sie noch im selben Jahr die Indie-Rockband „Bobo In White Wooden Houses“. Mit demTitel Wide awake gewann die Band im Jahr 1990 den Leipziger Rockwettbewerb. Nach dem Suizid von Frank Heise im Jahr 1994 löste sich „Bobo In White Wooden Houses“ 1995 zunächst auf. Seit 2004 spielt die Band wieder in unterschiedlichen Besetzungen zusammen, das letzte Album erschien 2010.

Bobo In White Wooden Houses (2006)

 

Projekte

Bobo widmete sich in den Folgejahren zahlreichen Soloprojekten und Gastauftritten, z. B. lieh sie dem Engel im gleichnamigen Song der Rockband „Rammstein“ von 1997 ihre Stimme und trat auch live mit der Band auf. Sie arbeitete zusammen mit dem DJ- und Produzenten-Duo „Blank & Jones“ sowie der Band „Die Zöllner“ und wirkte bei einem Else-Lasker-Schüler-Projekt (2005) mit.

Seit über 10 Jahren kooperiert Bobo mit dem Multiinstrumentalisten Sebastian Herzfeld (u. a. Präpariertes Klavier, Harmonium, diverse Schlaginstrumente), den sie noch aus Studienzeiten kennt und mit dem sie bisher drei Alben mit Neuinterpretationen traditioneller Volkslieder und Gedichtvertonungen im Stil von „Weltmusik“ aufgenommen hat. Das erste gemeinsame Album Lieder von Liebe und Tod (zusammen mit der Klarinettistin und Saxofonistin Anne Kaftan) bekam 2008 den Weltmusikpreis RUTH in Rudolstadt.

Weitere Popularität erlangte Bobo durch ihren Auftritt im 2012 erschienenen Dokumentarfilm Sound of Heimat, der sich mit dem gespaltenen Verhältnis der Deutschen zu ihrer Volksmusik kritisch auseinandersetzt und gleichzeitig Beispiele aufzeigt für eine gegenwärtige Veränderung im Umgang mit den geschichtsbedingten „Schatten der Vergangenheit“ hin zu einer neuen Sangesfreudigkeit und Wiederentdeckung alter Volkslieder.

Auf dem jüngsten gemeinsamen Album von Bobo & Herzfeld Blick in den Strom mit Gedichtvertonungen Herzfelds (u. a. Joseph von Eichendorff, Nikolaus Lenau, Rainer Maria Rilke und Johann Wolfgang von Goethe) wirkt der weißrussische Akkordeonvirtuose Yegor Zabélov mit, mit dem die beiden bereits  2014 beim internationalen Akkordeonfestival akkordeon akut! in Halle aufgetreten waren.

Bobo arbeitet heute – neben ihren vielen musikalischen Projekten – zum „Broterwerb“ als Stimmbildnerin und „Vocalcoachin“ (vgl. Interview 2018) in Berlin. Inzwischen singt sie auch mit ihrer Tochter Camille zusammen.

Klangbeispiele

Blick in den Strom (Bobo & Herzfeld 2018)

Bobo und Herzfeld meet Zabelov (Minsk) – live bei „Akkordeon Akut“ im November 2014 in Halle, Ausschnitte aus Es geht eine dunkle Wolk herein (Volkslied) und Bleib bei mir, Text: J. W. von Goethe, Musik: Sebastian Herzfeld

Es waren zwei Königskinder (aus Lieder von Liebe und Todvon 2007 mit Sebastian Herzfeld

Der Lindenbaum (aus Lieder von Liebe und Tod von 2007 mit Sebastian Herzfeld); vgl. dazu auch den Musikkoffer-Artikel zum Textdichter des Liedes, dem in Dessau geborenen Wilhelm Müller, mit einer Powerpoint-Präsentation zu Vertonungen des Gedichtes Der Lindenbaum (s. u. Materialien zum Download)

Wide awake (Bobo in White Wooden Houses 1990)

Bobo in White Wooden Houses in Frankfurt am Main im Rahmen der Fernsehsendung „Live aus dem Schlachthof“ (23. Mai 1993)

Keep Movin‘ On (Bobo in White Wooden Houses 2011)

Engel (Rammstein mit Bobo, Berlin 1998, Vimeo)

Quellen

Online-Musikmagazin deutsche-mugge.de
Bobo beim Plattenlabel Traumton

Links

Interview mit Christiane Hebold (Online-Musikmagazin deutsche-mugge.de 2018)

Offizielle Website

Bobo und Herzfeld im Film „Sound of Heimat“ (u. a. Die Gedanken sind frei)

Anregungen für den Unterricht

Beim Stöbern im Musikkoffer lässt sich eine andere Version des Liedes Die Gedanken sind frei als Klangbeispiel entdecken (Artikel „Straße der Lieder“).  Die Schülerinnen und Schüler können diese aufspüren und die beiden völlig unterschiedlichen Interpretationen miteinander vergleichen. Ein Singen des Liedes im Unterricht könnte dem vorausgehen. Zahlreiche weitere Fassungen finden sich im Internet, beispielsweise auf Youtube, und können in den Vergleich einbezogen werden. Hintergründe zum Lied gibt es im Volksliedarchiv.

In das Unterrichtswerk für den Musikunterricht Dreiklang für die Sekundarstufe II, Cornelsen Verlag, Berlin 2017 wurde die Sängerin Bobo auf der Seite 158 unter Volksmusik aufgenommen.  Ihre Interpretation von Wildvögelein findet sich auf der dazugehörigen CD. Außerdem gibt es ein Arbeitsblatt unter dem Titel „Merkmalskatalog Volkslieder“.

Vgl. zum Thema „Volkslieder“ auch die Musikkoffer-Artikel zu Ludolf Parisius, der im 19. Jahrhundert lebte und ein bedeutender Sammler altmärkischer und magdeburgischer Volkslieder war, sowie zur Straße der Lieder bei Stolberg.

Auch der Komponist Rudolph Palme, Zeitgenosse von Parisius, wurde durch seine musikalischen Sammlungen bekannt. Darunter fanden sich neben Orgel- und Chorwerken auch Lieder für Sologesang. Welche Ordnungskriterien könnten dem Aufbau einer solchen Liedersammlung zugrunde liegen und wie lässt sich das auf heutige Liederbücher übertragen (s. Arbeitsblatt Rudolf Palme – Zusammenstellen von Sammlungen)?

Materialien zum Download

Powerpoint-Präsentation

„Der Lindenbaum“ von Wilhelm Müller (Informationen für Lehrer*innen: Analyse und Vergleich der Vertonungen von Franz Schubert und Friedrich Silcher, Autor: Konrad Pfeiffer)

SM 2019