Komponisten

Telemann, Georg Philipp (1681–1767), in Magdeburg

* 14. März 1681 in Magdeburg, † 25. Juni 1767 in Hamburg

Georg Philipp Telemann, koloriertes Aquatintablatt von Valentin Daniel Preisler nach einem verschollenen Gemälde von Ludwig Michael Schneider (1750)

Biografie

Georg Philipp Telemann gehört neben Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel zu den bekanntesten und am besten erforschten Vertretern der mitteldeutschen Barockmusik. Er war Komponist, Kantor, Kapellmeister, aber auch Verleger, Konzertveranstalter und Musikpädagoge in Personalunion. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er außerhalb seiner Geburtsstadt Magdeburg, doch riss sein Kontakt in die Heimat, z. B. zum Magdeburger Musikdirektor Johann Heinrich Rolle, nie ab.

Telemanns Vater war Diakon (zweiter Pfarrer) an der Heilig-Geist-Kirche in Magdeburg, in welcher der junge Georg Philipp am 17. März 1681 getauft wurde. Ein Foto des Taufeintrags ist erhalten geblieben. Nach erstem Unterricht in Lesen, Schreiben und Katechismus ging Telemann an das Altstädtische Gymnasium, eine der ersten im Zuge der Reformation gegründeten städtischen Lateinschulen. An dieser Schule hatte bereits Martin Agricola gewirkt und später dann Johann Heinrich Rolle.

Bereits in dieser Zeit beschäftigte sich Telemann autodidaktisch mit dem Instrumentalspiel (Violine, Flöte und Zither). Den mutmaßlich einzigen professionellen Instrumentalunterricht seines Lebens – es handelte sich in diesem Fall um Klavierunterricht bei einem namentlich unbekannten Organisten – brach er ab. In einer seiner drei Autobiografien schrieb Telemann dazu, dass sein Lehrer ihn „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte“ (Telemann 1740, S. 356). Stattdessen studierte er lieber die Kompositionen seines Lehrers Benedictus Christiani, der Musikdirektor und Kantor an der Magdeburger Stadtschule war.

Innenhof des Kreuzganges des Magdeburger Doms, in dessen südlichem Teil sich die Domschule befand

 

Nach seiner Ausbildung am städtischen Gymnasium wechselte Telemann an die Domschule, wo auch sein lebenslanges Interesse für die Literatur geweckt wurde. Bereits in seiner Schulzeit begann er zu komponieren und erste, nicht erhalten gebliebene Werke unter Pseudonym zu veröffentlichen. Für diese erhielt er so viel Lob, dass er sich mit etwa zwölf Jahren sogar an die Komposition eine Oper, Sigismundus, wagte, die mit ihm selbst in der Hauptrolle zur Aufführung kam. Beunruhigt durch die musikalischen Ambitionen ihres Sohnes, schickte ihn seine inzwischen verwitwete Mutter 1693 oder 1694 auf die Schule nach Zellerfeld, wo er vermutlich Privatunterricht beim musikliebenden Superintendenten Caspar Calvör genossen hat, bevor er 1697 nach Hildesheim an das berühmte Andreanum wechselte.

Telemann ging 1701 zum Jurastudium nach Leipzig, gab dieses jedoch schon bald auf, da er Kompositionsaufträge für die Thomaskirche und die Oper erhielt, die er zeitweilig auch leitete. 1704 trat er die Stelle als Musikdirektor und Organist an der Leipziger Neukirche an. Schon zu Studienzeiten gründete er ein Collegium musicum, das in Konkurrenz zu dem von Johann Friedrich Fasch stand. Hiermit hatte er ein Ensemble zur Hand, das seine Werke in kompetenter Weise aufführen konnte.

Studienreisen führten ihn nach Braunschweig, Hannover und auch Halle, wo er Georg Friedrich Händel kennenlernte, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Nach seiner Zeit in Leipzig ab 1705 hatte Telemann Anstellungen im heute polnischen Sorau, in Eisenach und Frankfurt a. M. 1715 gründete er den „Telemannischen Verlag“, der bis 1740 existierte. Telemannns 46 Jahre währende „Lebensstellung“ (1721–1767) aber war die des Kantors am Johanneum, der berühmten Hamburger Gelehrtenschule, und Musikdirektors der fünf Hauptkirchen Hamburgs.

Musikhistorische Bedeutung

Georg Philipp Telemann war hochgebildet und eine „anerkannte Persönlichkeit des Musiklebens“ (Hobohm 2007). Er war versiert sowohl im künstlerischen als auch im betriebswirtschaftlichen Bereich. Als Komponist nahm er Anregungen besonders aus der französischen und polnischen Musik auf, was zu einem „vermischten Geschmack“ in seiner Instrumentalmusik führte. Er komponierte alle damals nur denkbaren musikalischen Gattungen, doch sah er sich selber in erster Linie als Kirchenmusiker. Zahlreiche Kompositionen entstanden zudem zu Unterrichtszwecken für seine Schüler.

Telemann machte die musikalischen „Moden“ seiner Zeit mit und wandte sich in seiner Hauptschaffenszeit dem empfindsamen Stil zu, der bereits auf die Wiener Klassik vorauswies. Diesen kombinierte er aber auch mit kontrapunktischen Elementen.

Besonders im 19. Jahrhundert wurde Telemann vor allem von der Bach-Forschung als „Vielschreiber“ diskreditiert. Heute gilt er als „der einflussreichste und prominenteste Komponist des nord- und mitteldt. Raumes in der ersten Hälfte des 18. Jh.“ mit einer „Musterfunktion“ seiner Kompositionen (Hirschmann 2016, S. 14). Was ihn von den anderen Großen seiner Zeit unterscheidet, ist die „Schaffung von organisatorischen Strukturen, welche die Aufführung und möglichst intensive Verbreitung seiner Werke zu sichern vermochten“ (ebd.).

Werke

Mehr als 1600 Kirchenkantaten blieben von Telemann erhalten. Er schrieb aber auch Opern, Passionsoratorien, Ouvertürensuiten, Kammermusik und Lieder. Aus Telemanns kompositorischen Anfängen sind nur noch wenige Werke vorhanden.

Werkauswahl:

Brockes-Passion (1716), Frühlingskantate (1720), Hamburger Ebb‘ und Fluth (Ouvertürensuite, 1723, Admiralitätsmusik), Pimpinone (komisches Intermezzo, 1725), Burlesque de Quixotte (Ouvertürensuite, bis 1730), Musique de table (Tafelmusik in drei Teilen, 1733), Singe-, Spiel- und Generalbassübungen (für Singstimme und Tasteninstrument, 1733/34), Der Tod Jesu (Passionskantate, 1755), Donnerode (Oratorium, 1756/1760), Die Tageszeiten (Oratorium, 1757)

Klangbeispiele

Burlesque de Quixotte (NewYork Baroque Incorporated)

Tafelmusik, Auswahl (Musica Amphion, Pieter-Jan Belder)

Die Donnerode, TWV 6:3 (Chor: Rheinische Kantorei, Orchester: Das Kleine Konzert, Dirigent: Hermann Max)

Trompetenkonzert in D-Dur (Ludwig Güttler)

 

Telemann-Stele in der Nähe der einstigen Heilig-Geist-Kirche

 

Das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung in Telemanns Geburtsstadt Magdeburg widmet sich dem Komponisten sowohl im wissenschaftlichen Bereich (Publikationen, Tagungen, Redaktion und Mitherausgabe der Telemann-Auswahlausgabe) als auch als Veranstalter der alle zwei Jahre stattfindenden Telemann-Festtage, der Sonntagsmusiken sowie des Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Seit 1994 gibt es im Rahmen der Telemann-Festtage die an ein junges Publikum gerichtete Reihe Telemann für Schüler mit mehreren „didaktischen Konzerten“ in Magdeburg und Umgebung.

Durch die starke Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg sind nur noch wenige originale Wirkungsstätten Telemanns erhalten. Dennoch bemüht sich die Stadt, Telemann vor Ort „erlebbar“ zu machen. Ein Stadtrundgang inklusive Stadtplan führt an 11 Stellen mit Bezug zum Leben des Komponisten. Von der Telemann-Stele am Ort von Telemanns Taufkirche über seine ehemaligen Schulwege bis hin zum Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten, heute u. a. Sitz des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung und der Telemann-Gesellschaft e. V., kann Telemanns Zeit in Magdeburg „erwandert“ werden.

Die Magdeburger Musikschule trägt den Namen Konservatorium Georg Philipp Telemann.

Literatur

Wolfgang Hirschmann, Art. „Telemann, Georg Philipp“, in: Neue deutsche Biographie, hrsg. von der historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2016, S. 12–15.

Wolf Hobohm, Art. „Telemann, Georg Philipp“, in: Deutsche Biographische Enzyklopädie, hrsg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus, Band 9, München 1998, S. 671–672.

Wolf Hobohm, Art. „Telemann, Georg Philipp“, in: Religion in Geschichte und Gegenwart, Handbuch für Theologie und Religionswissenschaft, vierte, völlig neu bearbeitete Auflage, hrsg. von Hans Dieter Betz / Don S. Browning / Bernd Janowski / Eberhard Jüngel, Band 8, Tübingen 2007, Sp. 119.

Georg Philipp Telemann, Art. „Telemann“, in: Johann Mattheson: Grundlage einer Ehren-Pforte, Hamburg 1740, S. 354–369, http://hz.imslp.info/files/imglnks/usimg/a/ad/IMSLP67834-PMLP137020-Mattheson,_GrundlageEinerEhren-Pforte.pdf (abgerufen am 11.07.2017).

Links

Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung

Telemann in Magdeburg mit einem Beitrag von Brit Reipsch über Telemanns Kindheit und Jugend

Anregungen für den Unterricht

Die „didaktischen Konzerte“ des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung finden an Schulen in der Region statt und werden im Musikunterricht und an Projekttagen in Zusammenarbeit zwischen dem Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung, dem Arbeitskreis „Georg Philipp Telemann“ Magdeburg e. V. und den beteiligten Schulen vorbereitet und durchgeführt.

Der Stadtrundgang „Telemann-Stätten in Magdeburg“ (Download s. u.) kann auf der Website telemann.org abgerufen und entweder mit Schülern gemeinsam „abgelaufen“ oder aber zu einer Telemann-Rallye erweitert werden.

Materialien zum Download

Telemann-Stätten (Rundgang mit Karte und Informationen zu den einzelnen Stationen)

Arbeitsblatt

Komponisten in Sachsen-Anhalt

SM 2017