Komponisten

Rebling, Gustav (1821–1902)

* 10. Juli 1821 in Barby, † 09. Januar 1902 in Magdeburg

Prof. Gustav Rebling

Biografie

Gustav Rebling wurde am 10. Juli 1821 in Barby geboren. Sein Vater Friedrich Rebling, Kantor an der Stadtkirche zu Barby, unterrichtete ihn in jungen Jahren. Von 1836 bis 1839 erhielt er weiterführende Unterweisung bei Johann Christian Friedrich Schneider, Hoforganist und Hofkapellmeister in Dessau. Anschließend ging er nach Magdeburg und wirkte dort als Kantor der Französisch-Reformierten Gemeinde, als Gesangs- und Klavierlehrer sowie als Organist und Lehrer am Königlich-Preußischen Lehrerseminar. 1846 gründete er den Rebling’schen Kirchengesang-Verein, dessen Teilnehmerzahl und musikalische Qualität sich rasch positiv entwickelten.

Inzwischen war Rebling so bekannt, dass ihm 1854 die Leitung des Magdeburger Domchores als Nachfolger von Johann Joachim Wachsmann übertragen wurde. Im gleichen Zuge wurde er Lehrer für Gesang am dortigen Domgymnasium, musste sich infolge der hohen Belastung aus gesundheitlichen Gründen aber bald beruflich umorientieren. So gab er nach erfolgreicher Bewerbung als Organist an der Magdeburger Johanniskirche 1855 die Arbeit am Dom und am Domgymnasium wieder auf.

In dem neuen Umfeld rückte für ihn das Orgelspiel in den Vordergrund. Bereits in jungen Jahren als hervorragender Pianist bekannt, erlangte er in dieser Zeit eine hohe Virtuosität im Spiel an der Orgel, was sich auch in seinen Kompositionen widerspiegelt. Als das Königlich-Preußische Lehrerseminar im selben Jahr von Magdeburg in seine Heimatstadt Barby verlegt wurde, ging er, anders als sein Schüler Rudolph Palme, nicht mit, sondern blieb in Magdeburg, um sich weiter seinem Gesangverein und dem Orgelspiel widmen und zu können. Darin war er so erfolgreich, dass er sich seit 1856 „Königlicher Musikdirektor“ nennen durfte.

1862 übernahm er zusätzlich den Männerchor Zweite Liedertafel. Gustav Rebling beteiligte sich aktiv an zahlreichen Konzerten und Aufführungen großer Werke und gestaltete das Magdeburger Musikleben seiner Zeit federführend mit. So erhielt er 1880 die Leitung der Gesellschaftskonzerte und stand ab 1885 den gemeinsamen Veranstaltungen der Vereinigten Magdeburger Gesangvereine vor. Berufungen in andere Städte wies er stets zurück. Nachdem er 1896 den Professorentitel erhalten hatte, trat Gustav Rebling 1897 im Alter von 76 Jahren in den Ruhestand und starb am 9. Januar 1902 in Magdeburg.

Die Magdeburger Johanniskirche ca. 1835

Musikhistorische Bedeutung

Neben zahlreichen Aufführungen anspruchsvoller oratorischer bzw. chorsymphonischer Werke mit seinen beiden Chören, u. a. von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach (darunter die Matthäuspassion in der Bearbeitung von Robert Franz), Wolfgang Amadeus Mozart oder Max Bruch, setzte sich Rebling für die damalige zeitgenössische Chormusik ein. Sein Kirchengesang-Verein gehörte zu den führenden Chören, die sich durch „künstlerische Leistungsfähigkeit, Wagemut in der Werkauswahl und Einsatzfreude für die neue Musik ihrer Zeit“ (Wolf Hobohm 1992, zit. n. Steinbach 2007, S. 251 f.) auszeichneten. Von der außerordentlichen Qualität der Chöre zeugt, dass Richard Wagner den Kirchengesang-Verein zusammen mit zwei weiteren Chören zur Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie anlässlich der Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses im Jahr 1872 einlud.

Zudem organisierte Gustav Rebling etliche Musikfeste in Magdeburg und bestimmte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als musikalische Autorität das dortige Musikleben.

Diverse Kompositionen, u. a. für Gesang, Orgel oder Klavier, zählen zu Reblings kompositorischem Werk. Seine Tätigkeit als Komponist stand jedoch immer hinter seiner Arbeit als Chorleiter zurück. Reblings Sonaten für Violoncello und Klavier sowie seine Psalmvertonungen genießen unter allen seinen Stücken das größte Ansehen – damals wie heute. Der Klavierpart der Cellosonaten soll vom Schwierigkeitsgrad her mit Werken von Brahms oder Liszt vergleichbar sein. Diese Stücke führte Rebling selbst mit seinem Sohn auf, was seine Fähigkeiten und seine Virtuosität am Klavier bezeugt (vgl. Steinbach 2007, S. 251).

Neben seiner Tätigkeit als Dirigent und Komponist wirkte Rebling auch aktiv in großen deutschen Musikvereinen mit. So arbeitete er im Magdeburger Tonkünstlerverein und war Mitglied in der Gesellschaft für Musikforschung sowie Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Musikvereins.

Werke

Während Reblings Tätigkeit in Magdeburg entstanden immer wieder Kompositionen zum eigenen Gebrauch, z. B Werke für Männerchor mit unterschiedlicher Begleitung, die er mit der von ihm geleiteten Liedertafel aufführte. Zu seinen Werken zählen die Lieder op. 1–60 und Chorgesänge für gemischten und Männerchor. Viele dieser Vokalwerke basieren auf seinerzeit im Deutschen Kaiserreich gebräuchlichen patriotischen Texten.

Auch rein instrumentale Stücke gehören zu Reblings Schaffen: Sonaten und Romanzen für Violoncello und Klavier bzw. Orchester und Choralvorspiele sowie Präludium und Fuge für Orgel.

Klangbeispiel

Weihnachtspastorale op. 42 Nr. 1 (Gustav Rebling)

Hans-Dieter Karras an der Führer-Orgel in der Klosterkirche St. Maria, Riddagshausen

Noten zum Download

Werke von Gustav Rebling in der Petrucci Music Library:

Zweite Sonate für Pianoforte und Violoncello op. 27

In Waldesmitten, 1. aus 3 Liedern op. 44 für Singstimme und Pianoforte

 Präludium und Fuge „Sollt‘ ich meinem Gott nicht singen“ für Orgel

 Waldsehnsucht für Cello/Horn, Singstimme und Pianoforte

Literatur

Wolf Hobohm, Art. „Rebling, Gustav“, in: Magdeburger Biographisches Lexikon, http://www.uni-magdeburg.de/mbl/Biografien/1589.htm (abgerufen am 09. Juli 2017).

Wolf Hobohm, Musikgeschichte der Stadt Magdeburg, Eine Zeittafel, Magdeburg 1992.

Joachim Steinbach, „Rudolph Palme und Gustav Rebling. Zwei vergessene Komponisten aus Barby (Elbe)“, in: Musikkultur in Sachsen-Anhalt seit dem 16. Jahrhundert (= Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts, H. 42), Halle 2007, S. 246–254.

Links

Zeitungsartikel über das Sammeln von Antiquitäten aus Barby – Fotoalbum der Liedertafel kommt zurück nach Barby (Thomas Ließner, Volksstimme)

Geistliche Chormusik der Romantik aus Sachsen Anhalt (Chorbuch, hrsg. von Joachim Steinbach; beim Klick auf das Chorbuch selbst u. a. ein Notenbeispiel für Musik von Gustav Rebling)

Materialien zum Download

Arbeitsblatt

Komponisten in Sachsen-Anhalt

Marius Beier 2017

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2017 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.