Komponisten

Burck, Joachim a (1545/46–1610)

zwischen dem * 03. Juli 1545 und dem 02. Juli 1546 in Burg bei Magdeburg, † 24. Mai 1610 in Mühlhausen

Biografie

Joachim a Burck, auch von Burck, Burgk (eigentlich Joachim Moller) war ein mitteldeutscher Komponist und Kirchenmusiker, welcher die Musik zu Beginn des nachreformatorischen Protestantismus mitgeprägt hat.

Er wurde vermutlich als Sohn des Augustinermönchs Joachim Moller, welcher schon früh zum protestantischen Glauben übergetreten war, in Burg bei Magdeburg geboren. In der naheliegenden größeren Stadt kam er während der Schulausbildung, unter anderem bei den Komponisten Martin Agricola und später Gallus Dressler, in Kontakt mit der modernen „Musica reservata“ und wohl auch erstmals mit den Werken Orlando di Lassos, welchen er später als „Princeps artis musicae“ – „Ersten in der Kunst der Musik“– bezeichnete. Sein weiterer Bildungsweg führte ihn an die Universität in Wittenberg, wo er im Jahr 1561 immatrikuliert worden sei (vgl. Adrio 1957) und vermutlich Unterricht bei Johann Hermann Noricus bekam. Von Burck wird weiterhin angenommen, dass er ausgeprägte autodidaktische Fähigkeiten besaß, denn schon 1563 ging er nach Mühlhausen, wo er zunächst als Kantor an der Lateinschule und dann auch als Organist an St. Blasius tätig war.

Burg im Jahr 1680

 

1567 heiratete er in Mühlhausen seine erste Ehefrau Anna Kleeberg, mit der er acht Kinder bekommen sollte. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren trotz einer geachteten und sicheren Anstellung eher weniger günstig, weshalb Burck ab 1568 zusätzlich als Gerichtsschreiber im Konsistorium Schreibarbeiten verrichtete und 1580 schließlich als etatmäßiger Konsistoriumsschreiber tätig war. In Mühlhausen erwarb er das Bürgerrecht und wurde 1583 in den Ratsstand erhoben. Im gleichen Jahr fand die Hochzeit mit seiner zweiten Ehefrau, der Senatorentochter Anna Faber, statt, nachdem seine erste Ehefrau verstorben war. Durch diese erhielt er einigen Grundbesitz und wurde Vater von acht weiteren Kindern.

Während seiner Zeit in Mühlhausen pflegte er eine Freundschaft mit dem Mühlhäuser Superintendenten und protestantischen Kirchenlieddichter Ludwig Helmbold, mit dem er bei einigen seiner Werke zusammenarbeitete. Auch mit dem jüngeren Komponisten Johann Eccard unterhielt er schöpferische Beziehungen.

1596 wurde Burck zusammen mit einigen führenden Musikern der Zeit, darunter auch Thomas Mancinus, Hans Leo Haßler und Michael Praetorius, zu einer Orgelprobe in Gröningen in den Niederlanden geladen und später als Sachverständiger mit der Abnahme der Orgeln in Sondershausen (1603) und Hersfeld (1604) beauftragt. Während seiner Lebenszeit hat er zahlreiche protestantische Kirchenlieder und Motetten veröffentlicht.

Musikhistorische Bedeutung

Durch seine Wurzeln in der protestantischen Musiktradition und seine Stellung als Vorgänger von Johann Sebastian Bach an der Kirche St. Blasius gilt Joachim a Burck  als Begründer und Wegbereiter einer eigenständigen nachlutherischen Musik- und Gemeindetradition, welche in Mühlhausen nach dem Bekenntnis der Stadt zum Protestantismus 1557 neu gestaltet werden musste. Dabei ist nicht nur seine Bedeutung für die Kirchenmusik zu nennen, sondern auch seine Arbeit als Erzieher zum Protestantismus in Funktion seiner Tätigkeit an der Lateinschule. Fast 50 Jahre gestaltete Burck das Musikleben in Mühlhausen und wurde dadurch auch überregional bekannt.

So, wie es im früheren Protestantismus üblich war, stand Burck als Kantor und Komponist im Dienste des Evangeliums und der Verkündigung und wurde nicht als Künstler angesehen, der durch seine Werke selbst Anerkennung und Ruhm findet. Nach eigenen Worten habe er sich stets darum bemüht, keine andere Gesenge zusetzen / dann die in der heiligen Schrift stehen, oder daraus herfliessen / und zur Ehre Gottes und besserung können gesungen werden“. Er erfüllte seinen Dienst und Beruf als Musiker „nach Erforderung [seines] Berufs und Vergnügen [seiner] von Gott Empfangenen Gaben“ (Vorwort zur Deutschen Passion 1568, zit. n. Stalmann, Luther 2016).

Seine Frömmigkeit fand jedoch keinen Ausdruck in Konventionalität, vielmehr griff er in seinen Werken aktuelle Strömungen auf und nutzte diese in neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Dabei knüpfte er stilistisch an die spätniederländische Motettenpolyphonie, auch im Sinne einer neuen Textausdeutung, an. Das lateinische, aber insbesondere das deutsche Wort gewann in den Kompositionen zunehmend an musikalischer Bedeutung. In späteren Jahren traten Kirchenlied und Ode an die Stelle der Motette, deren lineare Schreibweise von der vertikal-harmonischen abgelöst wurde. Burcks Deutsche Passion von 1568 ist wohl die erste deutschsprachige Passionsvertonung der Musikgeschichte.

Vom heiligen Ehestande: Vierzig Liedlein, in lehrhaftigen, tröstlichen, freudenreichen und denkwürdigen Reimen, aus Göttlicher Wahrheit, von M. Ludovico Helmboldo gefasset, und mit Vier Stimmen lieblicher Art zu singen, auch auf Instrumenten zu gebrauchen, abgefasst von Joachim a Burck, gedruckt 1595

 

In Burcks Geburtsstadt Burg ist eine Straße nach dem Komponisten benannt und die dortige Kreismusikschule trägt den Namen „Joachim a Burck“.

Werke

Joachim a Burck: Beati omnes. Psalmus CXXVII. Davidis. Norinbergae: Ulrich Neubert, 1569

 

Werkauswahl 

Harmoniae sacrae, 25 5st. Motetten, Nürnberg 1566

Die Deutsche Passion, 4st. Johannespassion, Wittenberg 1568

XX Odae Sacrae, 4st., Erfurt 1572

Passio Jesu Christi, 3- und 4st., Erfurt 1574

Zwantzig deutsche Liedlein, 4st., Erfurt 1575

Lyricorum L. Helmboldi … libri duo, 4st., Erfurt 1577

Odae Sacrae liber II, 4st., Erfurt 1578

Vom heiligen Ehstande: Viertzig Liedlein von M. L. Helmboldo, 4st., Erfurt 1583

Dreissig geistliche Lieder, 4st., Erfurt 1594

Psalmi Graduum, 4st., Erfurt 1595

Vom heiligen Ehstande liber II, 41 Lieder, 4st., Mühlhausen 1596

Klangbeispiele

Im Garten leidet Christus Not (Motette von Joachim a Burck, Ausführende: Cantores Carmeli, Michael Stenov)

CD-Hinweise:

Im Garten leidet Christus Not, Die deutsche Passion nach Johannes, Passio Jesu Christi: Psalm 22 (Vienna Vocal Consort)

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes (Vokalmusik des 16. Jahrhunderts aus Magdeburg, Neuer Magdeburger Kammerchor, mit Klangbeispielen von Martin Agricola, Gallus Dressler, Joachim a Burck, Friedrich Weißensee)

Literatur

Adrio, Adam, „Burck, Joachim von“ in: Neue Deutsche Biographie 3(1957), S. 33–34 [Online-Version], URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100833195.html#ndbcontent.

Herbert Birtner, „Ein Beitrag zur Geschichte der Musik im 16. Jahrhundert, dargestellt an Joachim a Burgk (1546–1610)“, in: Zeitschrift für Musikwissenschaft, Ausgabe 1927/1928, Deutsche Gesellschaft für Musikwissenschaft (Hrsg.), Breitkopf&Härtel, Leipzig 1918–1935.

Dommer, Arrey von, „Burck, Joachim von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie 3(1876), S. 607–608 [Online-Version], URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100833195.html#adbcontent.

Joachim Stalmann, Wilhelm Martin Luther, Art. „Burck, Joachim a“, in: MGG Online, hrsg. von Laurenz Lütteken, Kassel, Stuttgart, New York: 2016ff., zuerst veröffentlicht 2000, online veröffentlicht 2016, https://www.mgg-online.com/mgg/stable/20410.

Links

Choral-Partituren und Midi-Dateien in Public-Domain (enthält u. a. auch „Im Garten leidet Christus Not“ als Midi-Datei)

Vom heiligen Ehestande: Vierzig Liedlein (Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Digitale Sammlungen)

Kreismusikschule „Joachim a Burck“

Anregungen für den Unterricht

Vergleich zwischen den Passionen von Burck und Bach als Spiegelbild der stilistischen Merkmale von Renaissance und Barock

Aufbau und Merkmale einer Motette

Protestantische Kirchenmusik

Materialien zum Download

Arbeitsblätter

Arbeitsblatt zu „Im Garten leidet Christus Not“ (Klangbeispiel siehe oben; auch fächerübergreifend mit dem Religionsunterricht möglich)

„Im Garten leidet Christus Not“ – Chorsatz (Material zum Arbeitsblatt)

Komponisten in Sachsen-Anhalt

Heinrich Lörzer 2018

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2018 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.