Komponisten

Iliew, Wladimir (* 1935)

* 29. September 1935 in Jambol

Biografie

Wladimir Iliew wurde 1935 in Jambol/Bulgarien geboren. Nach dem Abitur studierte er am Konservatorium in Sofia Violine, Harmonielehre und Musikgeschichte. Schon während seiner Ausbildung arbeitete er als Violinist im Orchester des Operettentheaters in Sofia. Hier konnte er seine Liebe zur „Heiteren Muse“ festigen.
Von 1959 bis 1963 war er als Kapellenleiter der Sonderklasse im „Estrada-Ensemble“ in Sofia tätig. Durch die Konzertdirektion erhielt seine Formation interessante Aufgaben vermittelt. Tourneen durch Bulgarien und andere sozialistische Länder, auch im nichtsozialistischen Ausland, sind Zeugnisse von einer niveauvollen Tanzmusik der Iliew-Gruppe. Seit 1964 lebt Iliew in Deutschland, zunächst in der damaligen DDR. Auch hier gestaltete er mit seinem Ensemble interessante Tanzmusik auf hohem Niveau.
1971 übernahm er eine musikpädagogische Tätigkeit an der Musikschule Merseburg. Er unterrichtete die Instrumente Violine, Tenorsaxophon und Plektrumgitarre. Während seiner Lehrtätigkeit vervollkommnete er seine spieltechnischen Fertigkeiten und sein fachliches Wissen in einem Fernstudium an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar in den Fächern Saxophon, Gitarre und Schlagzeug. Von 1977 bis 2000 wirkte er als Fachberater und Musikpädagoge am Konservatorium „Georg Friedrich Händel“ in Halle. Neben der musikerzieherischen Arbeit war er als freischaffender Komponist und Interpret tätig.

Im Auftrag der Generaldirektion für Unterhaltungskunst der DDR gründete und leitete Iliew in den 1980er-Jahren die erste und einzige Improvisationsklasse im Jazzbereich in der damaligen DDR. Von 1986 bis 1988 war er Leiter der ersten Klasse zur jazzangewandten Ausbildung von Berufsmusikern. 1993 übernahm er die Leitung des vom Landesmusikrat gegründeten Jugendjazzorchesters des Landes Sachsen-Anhalt. Inzwischen gilt das Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt als ausgezeichnete Talentschmiede für zukünftige Jazzmusikerinnen und -musiker. Ab 1977 war Iliew Mitglied im Landesverband Sachsen-Anhalt Deutscher Komponisten e. V. Im Jahr 2010 trat er aus dem Komponistenverband aus.
Seit 2000 ist er im „Unruhestand“ als Komponist und Interpret sowie auch musikpädagogisch weiterhin tätig. Er lebt seit 2004 mit seiner Frau in Bad Lauchstädt.

Musik / Werke

In einem Artikel in der Mitteldeutschen Zeitung anlässlich des 70. Geburtstags von Wladimir Iliew heißt es:
„Wer Wladimir Iliew kennt oder je erlebt hat, egal ob als Jazzmusiker, Lehrer, Komponist oder Kulturpolitiker, wird folgender Charakterisierung mit energischem Kopfnicken zustimmen: umtriebig, einmischend, leidenschaftlich.
Für den langjährigen Nestor der mitteldeutschen Jazzszene ist Kultur eine Selbstverständlichkeit. So selbstverständlich wie ein Leben für, mit und aus der Musik.“ (Vgl. Lemme 2005, s. u. Literatur)

Iliew schrieb etwa 250 Kompositionen im Bereich des kammermusikalischen Jazz. Zudem veröffentlichte er musikpädagogische Werke. Seine Schule für Plektrumgitarre, die zusammen mit Thomas Buhé entstand, wurde zum Standardwerk für die Gitarrenausbildung an Musikschulen nach 1987. Außerdem verfasste er ein Songbook mit zahlreichen Kompositionen für verschiedene Besetzungen als „Reaktion auf fehlende Lehr- und Unterrichtsmaterialien“ (ebd.).

Seine Kompositionen einschließlich Notenmaterialien und digitalen Tonträgern hat Iliew archiviert und 2015 dem Kurt Weill Zentrum Dessau zur Bewahrung seiner Musik übergeben.

Werkauswahl

Kammermusikalische Besetzung und Orchester
Circel für Synthesizer und Streicher, 1981
African Express für Synthesizer, Percussion und Bigband, 1982
Konzert für Bassgitarre und Streicher, 1983
PAX NECESSE EST für 4 Saxophone, 3 Trompeten und 2 Schlagzeuge, 1985
LEUNA WERKE MUSIK für Sopransaxophon, Gitarre, Piano, Bass, Schlagzeug und aufgenommene Werksgeräusche auf CD, 1985
Melodram für Ostafrika für 4 Bläser, Piano, Bass und Schlagzeug, 1986
Pop-Concertino für Flügelhorn, Tenorsaxophon und Jugendsymphonieorchester, 1986
E-Symbiose U für 2 Vocalistinnen, Saxophon und Piano, 1987
Concertino für Gitarre und Streicher, 1987
Die verfluchte Stalinzeit für Saxophonquartett, 1989
Saxophonsymposium für 4 Saxophone, 1989
Quari atonal für Saxophontrio, 1989
Konzert für Tenorsaxophon und Piano, 1990
Mimal-Suite für Saxophonquartett, 1991
Boulevard Bounce für Saxophonsextett, 1991
Blue Calls für Saxophonsextett, 1991
Funky Saxophone für Saxophonquartett, 1991
Saxophon-Jump für Saxophonquartett, 1991
East of Eden für Saxophon, Keyboard, Violoncello und Vocalistin, 1992
TELEKOM Musik für Saxophonquartett, 1992
Trilogie – Organon, Vogelgesang, Abendgesang für Solo, Sopran-, Tenor- und Baritonsaxophon, 1992
Duo für Klarinette und Bassklarinette, 1994
Festliche Musik in zwei Sätzen für 2 Saxophone, Trompete, Posaune, Percussionsgruppe von 3 Musikern, 1994
Das Erwachen für Saxophontrio, 1994
5 Jahre danach für Saxophon, Keyboard, Gitarre, Percussion, 1995
Concerto für Tenorsaxophon und Klavier, 1996
Fiesta Mexicana für Gitarrentrio, 1996
Siera Morena für Gitarrentrio, 1996
Memorial für E. U. für Trompete, Baritonsaxophon, Gitarre, Piano, Bass, Schlagzeug, 1997
Jugendquartett für Klarinette, Konzertgitarre, Bass und Piano, 1997
Magnifikat „Wo ist Bethlehem heute?“ für 3 Saxophone, Gitarre, Sprecher, 1999
Neue Geistliche Musik für Saxophontrio, Gitarre und Sprecher, 1999
Sonate für Tenorsaxophon und Piano, 2002
Zyklus von 6 Kompositionen für Saxophontrio, Piano und Schlagzeug, 2004 – Osterhymnusthe three, Ragtime, Passion eines Drogensüchtigen, Tango contra TechnoSaxologie
Sancta Crusis Dedicatum für Tenorsaxophon, Piano und Bass, 2005
Zyklus von Kompositionen für die Jugend für Tenorsaxophon, Bass, Klavier und Sprecher, 2008
GO DOWN MOSES in drei Variationen, Toccata für Orgel und Sopransaxophon, 2010
Sonate für Orgel und Sopransaxophon, 2010
Sommerfantasie für Orgel, 2010
Vertonung von 8 Gedichten von Joachim Ringelnatz für Gesang und Klavier, 2015

Schulwerke
Schule für Plektrumgitarre in 3 Teilen, 1987
10 Stücke für Solobassgitarre, 1987
Songbook, 2003

Diskografie
East of Eden
Klangwelten
My Saxophone is speaking
Magnifikat „Wo ist Bethlehem heute?“
Osterfreude
Kaleidoskop 70
Sancta Crusis Dedicatum
Iliew Trio Live 
in der Aula der Nikolai-Schule Leipzig / CD zum Songbook

Literatur

Matthias Lemme, „Wladimir Iliew. Der Nestor des halleschen Jazz“, in: Mitteldeutsche Zeitung online, 16.11.2005, 20:18 Uhr, https://www.mz-web.de/halle-saale/wladimir-iliew-der-nestor-des-halleschen-jazz-9111742.

Links

“Wladi Iliew – ein Leben für die Musik” (Artikel zu einem Konzert in der Melanchthon-Kirche in Dessau, Amtsblatt Dessau-Roßlau Nr. 9, September 2016, 10. Jahrgang, S. 17)

Schule für Plektrumgitarre (bei Breitkopf & Härtel)

Materialien für den Unterricht

Flyer zu Leben und Werk von zeitgenössischen Komponist*innen aus Sachsen-Anhalt, darunter auch Wladimir Iliew, können in Klassenstärke oder einzeln beim Musikalischen Kompetenzzentrum Sachsen-Anhalt angefordert werden (weitere Informationen hier).

SM/Kerstin Hansen 2019