Komponist*innen

Hirschfeld, Caspar René (* 1965)

* 21. Mai 1965 in Wernigerode

Biografie

C. René Hirschfeld wurde 1965 in Wernigerode geboren und erhielt ab 1970 an der dortigen Musikschule seinen ersten Violinunterricht und ab 1980 auch Klavierunterricht. Im Alter von 9 Jahren begann er zu komponieren. Nach dem Beginn des Violinstudiums an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar 1981 wechselte er 1982 nach Dresden und studierte bis 1987 an der Hochschule für Musik „Carl-Maria von Weber” Dresden Komposition (bei U. Zimmermann und W. Krätzschmar) und Violine (bei Chr. Redder) sowie als Nebenfächer Klavier und Dirigieren. 1987–1989 setzte er das Studium als Meisterschüler fort. Zeitgleich studierte er autodidaktisch Tanz und Tanztheorie, wobei Begegnungen mit Gret Palucca, Kazuo Ohno, Patricio Bunster und Thomas Hartmann für ihn wesentliche Impulse gaben.

Bereits im 2. Studienjahr erhielt sein Ballett Das Bildnis (nach Gogol) beim internationalen Carl Maria von Weber Wettbewerb der Dresdner Musikfestspiele den 3. Preis (der 1. Preis wurde nicht vergeben). Weitere Auszeichnungen folgten (u. a. Eisler-Preis 1986, Mendelssohn-Stipendium 1988/89, Göttinger Kompositionspreis für Gitarre 2000, Carl von Ossietzky Kompositionspreis 2015). 1985 debütierte er als Dirigent im Kammerabend der Sächsischen Staatskapelle Dresden. 1988 instrumentierte er (gemeinsam mit Udo Zimmermann) die Oper Die Heirat von Bohuslav Martinu im Auftrag der Oper Bonn neu. Der internationale Durchbruch als Komponist gelang ihm 1991 mit der erfolgreichen Uraufführung seiner Kammeroper Bianca (nach Oscar Wilde) bei den Salzburger Festspielen. Im gleichen Jahr dirigierte er die Uraufführung seines Klavierkonzertes bei den Dresdner Musikfestspielen (Hallesche Philharmonie, Solistin Bettina Otto).Seither wurden seine Werke in nahezu ganz Europa, in Asien, Lateinamerika und den USA aufgeführt.

2005 erfolgte die Uraufführung des Doppelkonzertes Wandlungen V für Violine, Cello und Orchester im Dom zu Magdeburg anlässlich derVerleihung des Kaiser-Otto-Preises an Bundespräsident a. D. Dr. Richard von Weizsäcker. 2009 spielte er als Solist die deutsche Erstaufführung seines Violin-Konzertes beim Impuls-Festival Sachsen-Anhalt. Die Uraufführung des Werkes fand ein Jahr zuvor beim Contemporary Music Festival Daegu (Korea) statt. Seit 2019 ist Hirschfeld künstlerischer Leiter des Ensembles Junge Musik Sachsen-Anhalt.

Musik

Hirschfelds Musik entzieht sich Kategorien wie „tradiert“ oder „avantgardistisch“. So nannte sie Dr. Clemens Goldberg in seiner Kritik zur Portrait-CD Wandlungen (col legno) im rbb Kulturradio „Musik, die jenseits aller Kompositionsschulen eindringliche Landschaften hervorruft”. Die Wiener Zeitung berichtete anlässlich der Uraufführung seiner Kammeroper Bianca in Salzburg über „[…] Klänge von größter Expressivität […]. Mit sparsamsten Mitteln wird ein beklemmend dichtes Psychogramm gezeichnet. Eine beeindruckende Uraufführung!” (G. H. Pribil)

Eberhard Kremtz schrieb anlässlich eines Portraitkonzertes in der Kleinen Szene der Dresdner Staatsoper in den Dresdner Neuesten Nachrichten: „Der Komponist entfaltet aus der Intervallspannung Bewegungsimpulse zu großen Melodiebögen von eindringlicher, in sich selbst ruhender Kraft. Beeindruckend, wie hier traditionelle Technik und zeitgenössische Tonsprache zu einer Einheit verschmelzen.” Zur Uraufführung seiner Märchenoper Der satanarschäolügenialkohöllische Wunschpunsch nach Michael Ende in Berlin urteilte Lorenz Tomerius in Die Welt: „Ein Knüller! Die Herzen schlagen höher, die Hirne werden nicht vernebelt. So soll‘s ja wohl sein, und so ist es – leider – selten genug. Hier aber ist es gelungen!”

Charakteristisch für Hirschfelds Tonsprache sind teilweise ausgedehnte meditative Abschnitte, die jedoch oft ausgesprochen motorischen Passagen, markanter Rhythmik und kulminierender Dichte gegenüberstehen.

Ausschnitt aus „Waldgesang” für Oboe, Schlagwerk und Streicher (2. Teil), PDF zum Download s. u.

Werke

Hirschfelds umfangreiches Oeuvre umfasst Musiktheater, Ballette, Sinfonik, Chor- und Vokalmusik, Kammermusik, Solowerke, aber auch Tangos, Jazz-Zyklen und Chansons. Ein ausführliches Werkverzeichnis ist auf der Website des Komponisten zu finden.

Werke (Auswahl)

Sinfonik
Sonett VI für Sopran, Tenor und Kammerorchester (1987, Auftrag des DZzM)
Sonett VIII – Klavierkonzert (1988, Auftrag der Dresdner Musikfestspiele)
1. Sinfonie „Phoenix“ für Orchester (1992)
Wandlungen V – Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester (2002, Auftrag der Stadt Magdeburg)
2. Sinfonie für großes Orchester (2004)

Ausschnitt aus „In einem Licht” – 3 geistliche Gesänge, PDF zum Download s. u.

Klangbeispiele

Zahlreiche Klangbeispiele finden sich auf der Soundcloud-Playlist des Komponisten.

Zikaden für Viola und Zuspielband, Komponist und Interpret: C. René Hirschfeld, BKA-Theater Berlin

Vokalise, Mikrokompositionen bei MDR KLASSIK

Links

Website des Komponisten

Gesamtwerk von René Hirschfeld im Verlag Neue Musik Berlin

Materialien zum Download

Notenbeispiele

Konzert für Violine und Kammerorchester, 1. Satz (Ausschnitt)

In einem Licht – 3 geistliche Gesänge (Ausschnitt)

Waldgesang für Oboe, Schlagwerk und Streicher (2. Teil) (Ausschnitt)

3 Sätze für Viola solo (komplett)

René Hirschfeld 2020, letzte Aktualisierung Januar 2024