Komponisten

Franz, Marie, geb. Hinrichs (1828–1891)

Marie Franz, Porträt von Fritz Möller (ca. 1890)

Biografie

Marie Auguste Caroline Wilhelmine Bertha Friederike Henriette Hinrichs wurde am 16. September 1828 als Tochter des evangelischen Theologen und Professors für Philosophie Hermann Friedrich Wilhelm Hinrichs in Halle geboren, wo sie in einer bildungsbürgerlichen Atmosphäre aufwuchs.  Über ihre Familie weiß man lediglich, dass sie einen Bruder namens Friedrich hatte, der acht Jahre älter war und später als Jurist und Komponist in Berlin tätig war.

Bei wem Marie Hinrichs ihre musikalische Ausbildung erhielt, ist nicht bekannt. Da sie jedoch im Jahr 1846 bei dem Leipziger Verlag Breitkopf & Härtel den Band Neun Gesänge für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte veröffentlichte, ist davon auszugehen, dass sie mindestens in Klavier und Komposition eine musikalische Ausbildung erhalten haben muss. In dem veröffentlichten Notenband vertonte Marie Hinrichs einige Texte von Heinrich Heine, Ludwig Uhland und Noway. Gewidmet hat sie diese Lieder ihrem Vater.

Mit 19 Jahren (im Jahr 1848) heiratete sie Robert Franz nach mehrjähriger Verlobungszeit. Wie sie sich kennengelernt haben und warum die Verlobungszeit mehrere Jahre anhielt, ist nicht überliefert. Es ist jedoch bekannt, dass aus der Ehe drei Kinder hervorgingen. Da in der kaum vorhandenen Literatur jedoch nur von Richard und Lisbeth (Spitzname Lieschen) gesprochen wird, kann man nicht ausschließen, dass das dritte Kind nicht überlebte. Weiterhin wird in der Literatur berichtet, dass die Ehe von Marie und Robert Franz sehr harmonisch und liebevoll verlief.

Marie wird ein sehr schwacher gesundheitlicher Zustand zugeschrieben. So berichtete sie in vielen Briefen ihrem Sohn Richard, welcher als Arzt in Leipzig arbeitete, von ihren Leiden: „Ich habe mir am Mittwoch Blutegel an die Schläfe setzen lassen. Gestern hatte ich Kopfweh und sehr arge Augenschmerzen. Überhaupt geht es mir so schlecht, daß ich jeden Tag mit Schrecken anbrechen sehe.“ (Marie an Richard Franz, Brief vom 14.6.1879, zit. nach Sasse 1961, S. 186)

„Ich habe neben meinen anderen Leiden recht mit den Zähnen zu thun.“ (Marie an Richard Franz, Brief vom 30.5.1879, zit. nach Sasse 1961, S. 181)

Auch Robert berichtete an seinen Sohn: „Sie ist wieder recht leidend u. macht ihr der Unterleib viel zu schaffen. Natürlich wirken diese Zustände auch nachtheilig auf die Augen ein.“ (Robert an Richard Franz, Brief vom 21.8.1879, zit. nach Sasse 1961, S. 197)

Aufgrund ihres schwachen gesundheitlichen Zustandes unternahm Marie Franz mehrere Reisen, unter anderem nach Berlin und Ilmenau, um dort Linderung zu erfahren. Nach langer Krankheit verstarb sie am 3. Mai 1891 in Halle und wurde auf dem dortigen Stadtgottesacker im Familiengrab beigesetzt.

Aus dem Brief von Robert Franz an Maries Bruder Friedrich Hinrichs: „Sie ist endlich heute Nachmittag 1 Uhr ruhig entschlafen, nachdem sie lange u. schwer gelitten hat. Es blieb ihr nicht erspart, den letzten Tropfen Lebensöl hergeben zu müssen, bis endlich der Tod ihr Erlöser ward. Was wir an der Marie verloren haben, brauche ich nicht erst zu sagen – sie war eben der Mittelpunkt unseres kleinen Hauswesens u. werde ich diesen schmerzlich vermissen.“ (Robert Franz an Friedrich Hinrichs, Brief vom 03.5.1891, zit. nach Sasse 1961, S. 258 f.)

Grabstätte von Marie und Robert Franz auf dem Stadtgottesacker Halle (Saale)

Musikhistorische Bedeutung

Marie Franz komponierte insgesamt 22 Lieder für eine Singstimme mit Begleitung. 1846 wurden davon 9 Lieder bei dem Leipziger Verlag Breitkopf & Härtel mit dem Titel Neun Gesänge für eine Singstimme mit Begleitung des Pianofort veröffentlicht.

Marie Hinrichs, 9 Gesänge für eine Singstimme op. 1 (Titelblatt)

 

Alle 22 Lieder sind für eine Singstimme mit Klavierbegleitung komponiert. Es sind leicht singbare und eingängige Melodien. Heutzutage sind sie jedoch so gut wie gar nicht verbreitet.

Warum Marie Franz außer diesen Liedern keine weiteren Kompositionen geschrieben hat, ist nicht bekannt. Aus den Briefen kann man jedoch erkennen, dass sie viel zu Hause war, was wahrscheinlich auch an ihrem gesundheitlichen Zustand lag. Ihre täglichen Aufgaben bestanden dabei vermutlich aus der Organisation des Haushaltes, der Erziehung der Kinder und der Unterstützung ihres Mannes, was damit dem damaligen Frauenbild nahekam.

Sowohl Robert als auch Marie Franz vertonten Heines Gedicht „Mit schwarzen Segeln“. Daher bietet sich eine vergleichende Analyse an (s. Arbeitblatt).

Original Notenschrift „Mit schwarzen Segeln“ aus: 15 Lieder mit Klavier von Marie Franz, geb. Hinrichs

Klangbeispiele

Mit schwarzen Segeln in der Vertonung von Marie Franz, Gesang: Mirjam Schell, Klavier: Maria Leontjewa

 

Mit schwarzen Segeln in der Vertonung von Robert Franz, Gesang: Mirjam Schell, Klavier: Maria Leontjewa

Noten zum Download

Marie Franz: „Mit schwarzen Segeln“ (PDF-Datei, Notensatz: Esther Kirsch)

Robert Franz: Mit schwarzen Segeln (PDF-Datei)

Neun Gesänge für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte in der Petrucci Music Library/IMSLP zum kostenlosen Download, zuletzt aufgerufen am 07.07.2020

Literatur

Konrad Sasse, Katalog zu den Sammlungen des Händel-Hauses in Halle, Halle an der Saale 1961.

Walter Serauky, Musikgeschichte der Stadt Halle, Hildesheim 1971.

https://weber-gesamtausgabe.de/de/A003304.html, zuletzt aufgerufen am 07.07.2020.

http://www.zeno.org/Literatur/M/Heine,+Heinrich/Gedichte/Neue+Gedichte/Verschiedene/Seraphine/11.+%5BMit+schwarzen+Segeln+segelt+mein+Schiff%5D, zuletzt aufgerufen am 12.08.2020.

Materialien zum Download

Arbeitsblätter (PDF)

Vergleichende Liedanalyse des Liedes „Mit schwarzen Segeln“ von Marie und Robert Franz (Lösungsblatt für Lehrer*innen sowie die Word-Datei des Schüler-Arbeitsblattes auf dem Landesbildungsserver)

Komponisten in Sachsen-Anhalt

Esther Kirsch 2020

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2020 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.