Komponisten

Fasch, Carl Friedrich Christian (1736–1800)

18. November 1736 in Zerbst, † 03. August 1800 in Berlin

Carl Friedrich Christian Fasch (Gemälde von Anton Graff nach 1790)

Biografie

Carl Friedrich Christian Fasch ist der jüngste Sohn des Zerbster Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch aus seiner zweiten Ehe mit Johanna Helena Simers. Seine Mutter verstarb früh (1743), so dass der junge Carl Friedrich Christian in der Obhut des Vaters aufwuchs, von dem er auch seinen ersten Klavier- und Kompositionsunterricht erhielt. Bereits in dieser Zeit entstanden frühe Kompositionen in der Fantasie, die der junge Fasch auf dem Klavier überprüfte. Neben dem Klavierspiel erlernte er auch das Geigenspiel beim Zerbster Konzertmeister Carl Höckh.

Bereits in jungen Jahren zeigte sich ein Wesenszug Faschs, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: In einer nahezu krankhaften Form von übertriebener Selbstkritik vernichtete er immer wieder einen großen Teil seiner Kompositionen. Diese Art der Selbstwahrnehmung mag nicht zuletzt an der überbesorgten und einengenden Weise gelegen haben, in der Johann Friedrich Fasch sein „Carlchen“ erzog (Carl Friedrich Zelter in seiner Fasch-Biografie, zit. n. Musketa 1997, S. 318). Zelter schreibt dazu, „alles wäre den besten Weg gegangen, wenn nicht die Schwäche des Kindes und die Zärtlichkeit des Vaters überall hinderlich gewesen wäre“ (ebd., S. 319).

Ab 1750 bekam Fasch Geigenunterricht vom Strelitzer Konzertmeister Johann Christian Hertel, kehrte aber 1751 wieder nach Zerbst zurück, um die Schule im Kloster Bergen bei Magdeburg zu besuchen. Der jugendliche Fasch war inzwischen zu einem ausgezeichneten Cembalisten geworden und begleitete auch den bekannten Geiger Franz Benda, der im Dienst von Preußenkönig Friedrich II. (auch Friedrich der Große genannt) stand und ihm 1756 seine erste feste Anstellung am preußischen Hof in Berlin als 2. Cembalist neben Carl Philipp Emanuel Bach vermittelte. Der König, der als ausgezeichneter Flötenspieler bekannt war, soll die Cembalobegleitung des jungen Fasch sogar der von Bach vorgezogen haben.

Mit dem Engagement am Berliner Hof endete Carl Friedrich Christian Faschs Zeit in Zerbst. Fasch blieb – bis auf ein kurzes Intermezzo in Leipzig 1761/62 – zeit seines Lebens in Berlin, wo er weniger durch seine Kompositionen als durch die Gründung der Berliner Sing-Akademie 1791 in die Musikgeschichte einging.

Musikhistorische Bedeutung

Carl Friedrich Christian Fasch fand seine wahre Bestimmung nicht bei Hofe (ein Abschiedsgesuch 1763 wurde vom König ignoriert), sondern als Musiklehrer und Chorleiter. Bereits während des Siebenjährigen Krieges 1756 bis 1763, als die Hofmusik nahezu überall zum Erliegen kam, verdiente er seinen Lebensunterhalt durch Musikunterricht. Zeitgenossen bescheinigen ihm eine außerordentliche pädagogische Begabung. Bekanntester Schüler war der Goethe-Freund Carl Friedrich Zelter, der 1801, also ein Jahr nach Faschs Tod, eine Biografie seines Lehrers veröffentlichte (s. o.).

Carl Friedrich Christians Kompositionsstil war deutlich konservativer als der seines Vaters Johann Friedrich und orientierte sich an den strengen Regeln von Kontrapunkt und Generalbass, was zu Zeiten einer neuen Geschmacks- und Empfindungsästhetik bereits vielerorts als „überholte Musikauffassung“ (Ruf 1999, S. 10) galt. Höhepunkt dieses Strebens nach strenger Vielstimmigkeit war 1783 die Komposition einer 16-stimmigen Messe als Reaktion auf ein ebenfalls 16-stimmiges Werk des Italieners Orazio Benevoli, der im 17. Jahrhundert lebte. Faschs Freund Johann Friedrich Reichardt, damals Kapellmeister am Berliner Königshof, hatte ihm die Benevoli-Messe aus Italien mitgebracht und zum Geschenk gemacht. Die neue Messe Faschs, zu dessen Lebzeiten noch viel gelobt, wurde im 19. Jahrhundert zunehmend Opfer von Kritik: „Das ist nun zwar außerordentlich künstlich; aber es bleibt doch immer nur ein ausgeklügeltes Rechenexempel, das eine wahrhaft freie und künstlerische Wirkung nie ausübt.“ (Eduard Bernsdorf im Neuen Universal-Lexikon der Tonkunst von 1856, zit. n. Oschmann 1999, S. 22–23)

In Ermangelung geeigneter Sängerinnen und Sänger für eine Aufführung des opulenten Werkes vereinigte Fasch 1789 seine Gesangsschüler unter Einbeziehung von Berufsmusikern zu einem Chor, der als Keimzelle der 1791 gegründeten späteren Berliner Sing-Akademie gilt und zum Ausgangspunkt des Laienchorwesens in Deutschland wurde, wie wir es heute noch kennen. Fasch widmete sich in seinen letzten Lebensjahren ausschließlich der Arbeit mit der Sing-Akademie, deren erster offizieller Leiter er war, und schrieb dieser Chormusik „auf den Leib“.

Kurz vor seinem Tod 1800 verbrannte er alle vor der großen Messe entstandenen Kompositionen, die sich innerhalb seiner Reichweite befanden. Zufällig erhaltene Werke aus der Zeit davor sind somit nicht vom Urheber autorisiert. Nach Faschs Tod übernahm Carl Friedrich Zelter die Sing-Akademie.

Vor dem heutigen Maxim-Gorki-Theater in Berlin, in dem sich früher die Berliner Sing-Akademie befunden hatte, steht ein Denkmal ihres Gründers Carl Friedrich Christian Fasch.

Replik der Fasch-Büste von Fritz Schaper vor der ehemaligen Singakademie

 

Eine Ausstellung der Internationalen Fasch-Gesellschaft e. V. im 2. Obergeschoss des Zerbster Schlosses widmet sich in zwei Räumen neben dem Leben und Wirken des ehemaligen Zerbster Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch auch dem seines Sohnes Carl Friedrich Christian.

Werke

Aus der Zeit vor der 16-stimmigen Messe von 1783 haben nur wenige Werke Faschs Vernichtungsaktionen seiner frühen Werke zufällig überstanden, darunter eine Sinfonia in F-Dur für je zwei Flöten, Oboen und Hörner, Streicher und Basso continuo, die Fasch junior „kurz nach seinem Aufenthalt als Schüler Johann Wilhelm Hertels am Mecklenburg-Strelitzer Hof“ 1752 komponiert hat (siehe Voss 2011), sowie drei kleinere mehrstimmige Vokalkompositionen Faschs, die Carl Philipp Emanuel Bach 1761 in seiner musikalischen Wochenzeitung Musikalisches Allerley veröffentlicht hatte. Bei diesen Stücken handelt es sich um die Psalmlieder Heil dem Manne, Ach Herr, welch eine Menge Feinde und Herr, neige mir dein Ohr (siehe Richter 2011, S. 190–196). Im Jahre 1774 wurde Faschs einziges Oratorium Giuseppe riconosciuto in der St.-Hedwigs-Kathedrale zu Berlin uraufgeführt.

Faschs Spätwerk für die Berliner Sing-Akademie ist von dieser bereits 1839 in sieben Lieferungen im Druck herausgegeben worden, darunter Psalmenvertonungen, Choräle, ein Miserere, ein Requiem, eine Motette und die 16-stimmige Messe. Alle diese Werke waren nicht für den liturgischen Gebrauch bestimmt.

Des Weiteren sind von Carl Friedrich Christian Fasch mehrere Klavierwerke überliefert (z. B. Sonaten und die Ariette pour le clavecin ou piano forte avec quatorze variations, Neuausgabe Berlin 2006) sowie ein Tripelkonzert für Trompete, Oboe d’amore, Solovioline, Streichorchester und Cembalo.

Klangbeispiel

Kyrie aus der 16-stimmigen Messe

Noten zum Download

Carl Friedrich Christian Faschs 16-stimmiger Messe ist auf dem Titelblatt ein fünffacher Kanon zu 25 Stimmen vorangestellt (Download hier). Die gesamte Messe und einige weitere Kompositionen Faschs sind in der Petrucci Music Library zum kostenlosen Download erhältlich.

Literatur

Stephan Blaut, Susanne Oschmann, Art. „Fasch, Carl Friedrich Christian“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2., neubearb. Ausgabe, hrsg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 6, Kassel u. a. 2001, Sp. 775781.

Konstanze Musketa, „Johann Friedrich Faschs letzte Lebensjahre, dargestellt an Dokumenten aus dem St. Bartholomäi-Stift zu Zerbst“, in: Johann Friedrich Fasch und sein Wirken für Zerbst. Bericht über die Internationale Wissenschaftliche Konferenz am 18. und 19. April im Rahmen der 5. Internationalen Fasch-Festtage in Zerbst (= Fasch-Studien 6), Dessau 1997, S. 312–322.

Susanne Oschmann, „Zur zeitgenössischen Rezeption Carl Friedrich Christian Faschs“, in: Carl Friedrich Christian Fasch (1736–1800) und das Berliner Musikleben seiner Zeit. Bericht über die Internationale Wissenschftliche Konferenz am 16. und 17. April 1999 im Rahmen der 6. Internationalen Fasch-Festtage in Zerbst (= Fasch-Studien 7), Dessau 1999, S. 1324.

Maik Richter, „Carl Friedrich Christian Fasch, Johann Andreas Cramer und das Musikalische Allerley. Annotationen zur Pflege außerliturgischer geistlicher Musik in Berlin während der 1760er Jahre“, in: Fasch – Vater und Sohn. Bericht über die Internationale Wissenschaftliche Konferenz am 8. und 9. April 2011 im rahmen der 11. Internationalen Fasch-Festtage in Zerbst/Anhalt (= Fasch-Studien 11), Beeskow 2011, S. 183–197.

Wolfgang Ruf, „Carl Friedrich Christian Fasch (1736–1800)“, in: Carl Friedrich Christian Fasch (1736–1800) und das Berliner Musikleben seiner Zeit. Bericht über die Internationale Wissenschftliche Konferenz am 16. und 17. April 1999 im Rahmen der 6. Internationalen Fasch-Festtage in Zerbst (= Fasch-Studien 7), Dessau 1999, S. 912.

Steffen Voss, „Eine Jugendsinfonie von Carl Friedrich Christian Fasch“, in: Fasch – Vater und Sohn. Bericht über die Internationale Wissenschaftliche Konferenz am 8. und 9. April 2011 im Rahmen der 11. Internationalen Fasch-Festtage in Zerbst/Anhalt (= Fasch-Studien 11), Beeskow 2011, S. 171–182.

Karl Friedrich Zelter, Karl Friedrich Christian Fasch, Berlin 1801, Faksimile-Nachdruck: Dokumentation zu Karl Friedrich Christian Fasch 1736–1800 von Karl Friedrich Zelter, hrsg. von der Kultur- und Forschungsstätte Michaelstein 1983 (= Studien zur Aufführungspraxis und Interpretation von Instrumentalmusik des 18. Jahrhunderts 21).

Links

Internationalen Fasch-Gesellschaft e. V.

Förderverein Schloss Zerbst e. V.

Anregungen für den Unterricht

Faschs fünffacher Kanon ist allein schon vom Notenbild her außergewöhnlich und lädt zur genaueren Betrachtung ein. Fasch schrieb offenbar zahlreiche Kanons für seine Schüler, anhand derer er ihnen musiktheoretische Gesetzmäßigkeiten näherbringen wollte. Eine Diskussion wert ist die Frage, inwiefern es sich hier noch um Musik oder eher um ein künstliches Konstrukt handelt.

Materialien zum Download

Arbeitsblätter

Komponisten in Sachsen-Anhalt

Arbeitsblatt zum fünffachen Kanon (vorrangig für Sekundarstufe II; Lösungsblatt für Lehrer*innen auf dem Landesbildungsserver)

SM 2017