Komponisten

Beer, Johann (1655–1700)

* 28. Februar 1655 in St. Georgen im Attergau, † 06. August 1700 in Weißenfels

Porträt von Johann Beer (Ausschnitt)

Biografie

Johann Beer wurde am 28. Februar 1655 in St. Georgen im Attergau (Oberösterreich) als Sohn des Gastwirtes Wolfgang Beer geboren. Dort besuchte er zunächst für ein Jahr die Schule, bevor er ab 1662 Unterricht und erste musikalische Unterweisungen im Benediktinerkloster Lambach und ab 1665 im Kloster Reichersperg am Inn erhielt. Nachdem er seine Ausbildung ein weiteres Jahr an der Lateinschule in Passau fortgesetzt hatte, besuchte Beer von 1670 bis 1676 das Gymnasium poeticum in Regensburg, wo Johann Pachelbel sein Mitschüler war. Es wird berichtet, dass in Regensburg für Beer der Grundstein seines schriftstellerischen Arbeitens gelegt wurde. Ebenso erhielt er musikalische Impulse durch den Kompositionsunterricht bei Kaspar Prentz. Im Anschluss begab er sich 1676 für sechs Monate nach Leipzig, wo er theologische Vorlesungen hörte und mit bedeutenden Musikern seiner Zeit bekannt wurde. Im Oktober 1676 trat Beer in Halle eine Stelle als Altist in der Hofkapelle Herzog Augusts von Sachsen-Weißenfels unter Kapellmeister David Pohle an. 1679 heiratete er Elisabeth Bremer in Halle und zog im Jahr darauf mit dem Hof nach Weißenfels um. Seine Ernennung zum Konzertmeister der herzoglichen Hofkapelle zu Weißenfels erfolgte durch Augusts Nachfolger Herzog Johann Adolph I. zu Ostern 1685. Ab 1697 übernahm Johann Beer zusätzlich das Amt des herzoglichen Hofbibliothekars. Im Jahr 1700 verletzte er sich lebensgefährlich bei einem Vogelschießen in Weißenfels und verstarb an den Folgen des Unfalls.

Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels, Zeichnung aus dem 18. Jahrhundert

 

Gedenktafeln am Schloss Neu-Augugstusburg in Weißenfels

Musikhistorische Bedeutung

Neben seinem Wirken als Musiker und Komponist trat Johann Beer stärker als Schriftsteller hervor. Von Bedeutung sind vor allem seine musiksatirischen Schriften. Er verfasste beispielsweise Streitschriften gegen den Gothaer Pietisten Gottfried Vockerodt, so Ursus murmurat und Ursus vulpinatur (beide 1697) sowie den Bellum musicum (1684), den er anlässlich der Hochzeit des Kapellmeisters Johann Philipp Krieger geschrieben und 1701 unter dem Titel Der Musicalische Krieg veröffentlicht hatte. Darin kritisiert Beer musikalische Institutionen und Regeln der Barockzeit vom Standpunkt des Musikpraktikers.

Eine neue Form des musiktheoretischen Traktats in der Tradition der akademischen Scherzdisputation stellt seine Schrift Musicalische Discurse (1689) dar, die noch lange nach seinem Tod zusammen mit dem Musicalischen Krieg in einem Band publiziert wurden (1719). Als Kompositionslehre kommt auch der Schola-phonologica (1695) mit ihren Erläuterungen u. a. der Sing- und Satzmanieren nach Christoph Bernhard besondere Bedeutung zu.

In Beers Heimatland Österreich wird seit 2009 der Johann-Beer-Literaturpreis vergeben.

Werke

Johann Beer schuf geistliche und weltliche Vokalmusik, u. a. Begräbnisarien, Solo- und Duokonzerte, wie auch Instrumentalwerke, darunter Ouvertüren und ein Concerto für Posthorn, Jagdhorn, 2 Violinen und Basso continuo. Unter den Bühnenwerken sind Balletteinlagen und eine Oper überliefert. Über seine Kirchenkompositionen in Form mehrgliedriger geistlicher Konzerte oder lateinischer geistlicher Kammerkantaten urteilt Werner Braun, dass diese, soweit sie geprüft werden konnten, „in eingängiger, glatter Melodik, reich an Sequenzen, der expressiven Textausdeutung wenig Chancen“ (Braun 1999/2016) geben würden. Als verschollen gelten seine Triosonaten für zwei Violinen und Basso continuo (1694), mit denen er in Konkurrenz zu Johann Philipp Krieger trat. Beers vokale Quodlibets wurden von seinen Zeitgenossen geradezu enthusiastisch rezipiert. Allerdings lässt sich diese Begeisterung aufgrund der ungünstigen Überlieferung dieser Kompositionen nicht mehr nachvollziehen.

Als musikalisch-literarische Doppelbegabung schuf Beer auch einige satirische Schelmenromane, wie z. B. Der Symplizianische Welt-Kucker (1677/79), Teutsche Winternächte (1682) und Die kurtzweiligen Sommer-Täge (1683).

Klangbeispiele

Concerto B-Dur für Posthorn, Jagdhorn, Violinen & B. c. (Hörproben zur CD-Box Horn Concertos, Brilliant Classics 2017)

Literatur

Werner Braun, Art. „Beer, Johann“, in: MGG Online, hrsg. von Laurenz Lütteken, Kassel, Stuttgart, New York 2016ff., zuerst veröffentlicht 1999, online veröffentlicht 2016, https://www.mgg-online.com/article?id=mgg01215&v=1.0&rs=mgg01215.

Torsten Fuchs, Studien zur Musikpflege in der Stadt Weißenfels und am Hofe der Herzöge von Sachsen-Weißenfels: ein Beitrag zur mitteldeutschen Musikgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts, Lucca 1994, zugl. Diss. Halle (Saale) 1990.

Helmut Pachler, Johann Beer, Versuch einer Annäherung an seine Zeit, seine Person und sein literarisches Werk, St. Georgen im Attergau 1999.

Riemann Musiklexikon, Aktualisierte Neuauflage in fünf Bänden, hrsg. von Wolfgang Ruf in Verbindung mit Annette von Dyck-Hemming, 13. Aufl., Mainz 2012, Bd. 1, Art. Beer, Johann, S. 184–185.

Arno Werner, Städtische und fürstliche Musikpflege in Weissenfels bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Leipzig 1911.

Link

Literarische Werkauswahl und weiterführende Literatur

Materialien zum Download

Arbeitsblatt

Komponisten in Sachsen-Anhalt

Sebastian Preylowski 2017

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2017 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.