Instrumente

Rühlmann-Orgel in der Patronatskirche Ostrau

Die Patronatskirche in Ostrau

Orgelbauer

Wilhelm Rühlmann  jun. (12.03.1882–11.09.1964) erbaute die Orgel op. 445 im Jahr 1931 in der Zörbiger Hoforgelbauanstalt Wilhelm Rühlmann (Fotos von der Orgel hier).

Orgelgeschichte und technische Ausstattung

(Die unterstrichenen Begriffe finden sich im Orgelglossar.)

Die vermutlich erste Orgel in der Gegend um Ostrau war eine kleine Orgel ohne Pedal, die Mitte des 16. Jahrhunderts erstmals erwähnt wurde und von der Familie von Veltheim, den Patronatsherren des Guts Ostrau, finanziert wurde.

Bereits 1698 wurde von Otto Ludwig von Veltheim bei dem halleschen Orgelbauer Andreas Theißner eine neue Orgel in Auftrag gegeben. Der von ihm 1703 erbauten großen zweimanualigen Orgel mit Pedal wurde von seinem Bruder Zacharias Theißner (auch Thayßner u. a.) ein prachtvolles Gehäuse geschaffen. 1704 wurde die Orgel von Friedrich Wilhelm Zachow zu Halle (Händels erstem Lehrer) und Johann Justus Kahle (Organist an St. Stephani zu Helmstedt) examiniert. Zur Orgelweihe am 4. Mai 1704, die zusammen mit der Kirchweihe stattfand, erklang unter der Leitung Kahles dessen Kantate Jauchzet dem Herrn, alle Welt, eine der vier sogenannten Kirchweihkantaten, die 2003 wiedergefunden wurden .

Aufgrund von Holzwurmschäden musste das Instrument 1814 teilweise ersetzt und restauriert werden. Dies übernahm der hallesche Orgelbauer Baumgarten. Trotz der Reparaturen war die Orgel 1930 nicht mehr spielbar, weshalb das ganze Orgelwerk entfernt wurde.

In diesem Zusammenhang ermöglichte Hans-Hasso von Veltheim die Finanzierung einer Orgel der Orgelbaufirma Rühlmann. Der Prospekt von Zacharias Theißner blieb erhalten. In diesen wurde ein Werk ohne Mixtur und Cymbeln eingesetzt, wodurch die Klangpracht des Instruments gemindert wurde. Jedoch wurde trotz der Geldknappheit eine „hervorragend solide handwerkliche Arbeit“ (http://orgelbauanstalt-ruehlmann.blogspot.com/2010/10/orgelbesuch-in-ostrau-w.html) geleistet.

Der Prospekt ist „mit pneumatischen Apparaten angeschlossen” (ebd.). Eine Besonderheit der Ostrauer Orgel ist, dass die Pfeifen hinter dem Prospekt chromatisch statt diagonal angeordnet sind.

Im Jahr 2003 wurde die Rühlmann-Orgel von der Firma Zimmerman (Halle) vollständig gereinigt, repariert und gestimmt.

 

Die Patronatskirche St. Georg Ostrau ist die 28. Station der mitteldeutschen Straße der Musik.

Literatur

Falkenberg, Hans-Joachim: Zwischen Romantik und Orgelbewegung. Die Rühlmanns. Ein Beitrag zur Geschichte mitteldeutscher Orgelbaukunst 1842–1940. Lauffen 1995.

Links

orgelbauanstalt-ruehlmann.blogspot

Patronatskirche Ostrau

Patronatskirche St. Georg in Ostrau

Lisa-Maria Grauwinkel 2020

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2020 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.