Instrumente

Cembalo nach Michael Mietke von Martin-Christian Schmidt in der Bach-Gedenkstätte Köthen

Aus den historischen Akten geht hervor, dass Johann Sebastian Bach 1719 im Auftrag des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen bei Michael Mietke in Berlin ein Cembalo für den Köthener Hof kaufte und es in das Schloss Köthen transportieren ließ. Am 1. März 1719 ist dazu in den Kammerrechnungen zu lesen: „Den Capellmeister Bachen vor das zu Berlin gefertigte Clavessin und Reyse Kosten 130 Thaler“. Der Kammerdiener Gottschalk erhielt darüber hinaus am 14. März acht Taler „Fuhrlohn vor den Berlinischen Clavecyn“.

Noch 1784 ist das Instrument in der fürstlichen Musikalienkammer erwähnt: „Das große Clavecyn oder Flügel mit 2 Claviaturen, von Michael Mietke in Berlin, 1719, defect.“

Mit annähernd 100 Talern ließ sich der Köthener Fürst Leopold das Instrument für seine Hofkapelle einiges kosten. Leider ist jedoch der Verbleib des Instrumentes bis heute nicht bekannt.

Originalgetreue Nachbildung des Mietke-Cembalos im Köthener Schloss

 

Mit der Neugestaltung der Bach-Gedenkstätte im Schloss Köthen und der Wiederherstellung der Schlosskapelle sowie der Restaurierung der spätbarocken Orgel von Johann Christoph Zuberbier (1754/55) reifte auch der Gedanke, das verschollene Mietke-Cembalo für Ausstellung und Konzerte nachzuschaffen.

Der Rostocker Instrumentenbauer Martin-Christian Schmidt wurde für den Auftrag seitens des Historischen Museums Köthen gewonnen. 1992 konnte er das Instrument in Köthen übergeben, wo es zunächst in der Schlosskapelle seine Aufstellung fand.

Dem gingen jedoch monatelange Recherchen zu den Cembali des Michael Mietke voraus. Als Vorlage für den Nachbau zog Schmidt zwei Mietke zugeschriebene Instrumente im Berliner Schloss Charlottenburg (ein einmanualiges weißes und ein zweimanualiges schwarzes) sowie ein einmanualiges Cembalo im Hälsinglands Museum in Hudiksvall (Schweden) heran. Letzteres fertigte Mietke nachweislich 1710 an.

Der Nachbau, konzipiert in der für Alte Musik verbreiteten Stimmtonhöhe von a‘ 415 Hz, wurde mit einer zweifachen Transponiervorrichtung versehen, um in verschiedenen Stimmtonhöhen spielen zu können. Somit war eine Anpassung an den „Chorton“ der Zuberbierorgel (a‘ 466 Hz) in der Schlosskapelle möglich.

Verschiedene Holzarten kamen beim Nachbau zum Einsatz. Für den Stimmstock wurde Eichenholz mit Nussbaumfurnier verwendet, der Resonanzboden besteht aus österreichischer Fichte, die Stege aus deutschem Nussbaum, die Zargen aus Ahorn und Nussbaum, die Aufdopplungen aus mit Schellack poliertem Nussbaum, die Dockenleiste aus Ahorn, die Klaviaturtafeln aus Pappelholz, die Tastenbeläge für die Untertasten aus Ebenholz, die für die Obertasten aus Knochen und die Docken aus Birnbaum.

Detail-Foto von der Transponiervorrichtung

 

Das Gestell nimmt die Formen des Hudiksvaller und des zweimanualigen Charlottenburger Instrumentes auf und besteht aus Nussbaum und Ahorn. Der Rahmen des Deckels ist aus Ahorn gefertigt, die Füllung aus Linde. Das Instrument-Äußere mit dem Gestell wurde in Preußisch Blau gefasst, die Innenseiten des Deckels und der Klaviaturraum in Indigo. Das Instrument erhielt eine Polimentvergoldung, wie an den beiden Vorbild-Instrumenten vorhanden. Die Besaitung erfolgte nach dem „Nürnberger System“, die Bekielung nicht wie die historische mit Kolkrabenkielen, sondern als Plektrum wurde der Kunststoff Delrin verwendet.

Seit seiner Aufstellung in der Schlosskapelle und der Umsetzung in die Ausstellungsräume konnte das Instrument vielfältig zu Konzerten und bei Führungen zu Instrument-Vorstellungen und -Erläuterungen genutzt werden.

Quellen

Dieter Krickeberg, Michael Mietke – ein Cembalobauer aus dem Umkreis von Johann  Sebastian Bach, in: Cöthener Bach-Hefte Nr. 3, S. 47 ff.

Martin-Christian Schmidt, Anmerkungen über ein nachzuschaffendes zweimanualiges Cembalo für die Köthener Bach-Gedenkstätte nach Michael Mietke, in: Cöthener Bach-Hefte Nr. 5, S. 32 ff.

Ingeborg Streuber, Freundes- und Förderkreis Bach-Gedenkstätte im Schloss Köthen (Anhalt) e. V. 2019