Instrumente

Böttcher-Orgel in der Klosterkirche Diesdorf

Die Böttcher-Orgel auf der Westempore der Diesdorfer Kirche

 

Die spätromanische Diesdorfer Kirche entstand ab dem 12. Jahrhundert in mehreren Bauabschnitten als Klosterkirche und ist Teil der landesweiten Straße der Romanik. Im Jahr 1161 gründete Graf Hermann von Lüchow, ein Gefolgsmann Heinrichs des Löwen, ein Kloster in Diesdorf, möglicherweise zunächst als Chorherrenstift. Am 10. Dezember desselben Jahres wurde die Kirche geweiht, wie der Bestätigungsurkunde des zuständigen Bischofs Hermann von Verden zu entnehmen ist. Die Einrichtung eines Augustiner-Chorfrauenstifts ist erst ab 1200 einwandfrei belegt. Das Diesdorfer Nonnenkloster galt bis zur Reformationszeit als eines der größten und reichsten in der Altmark. Im Jahr 1551 wurde es offiziell in ein evangelisches Damenstift umgewandelt, welches bis 1810 fortbestand. Seitdem ist die Klosterkirche evangelische Pfarrkirche. Sie wird gerne auch als Konzertsaal genutzt (Mitschnitte von Konzerten hier).

Die Diesdorfer Klosterkirche von Südosten

Orgelbauer

Carl Böttcher, geboren 1820 (auch „um 1828“, vgl. Pape/Hackel 2015, S. 68) in Stendal und gestorben 1883 in Neustadt bei Magdeburg, gilt als „der letzte bedeutende Orgelbauer Magdeburgs“ (vgl. Gatz). Er war u. a. Geselle von Eberhard Friedrich Walcker in Ludwigsburg und wirkte von etwa 1850 bis 1883 als selbstständiger Orgelbauer in Magdeburg. Dort betrieb er eine Orgelbauwerkstatt, die er von Otto Schmidt übernommen hatte und die 1876 in Konkurs ging.

Böttcher wohnte zunächst in der Magdeburger Altstadt und später überwiegend in der Neustadt (vgl. Gatz). Er baute und restaurierte zahlreiche Orgeln in Magdeburg und Umgebung, war aber auch über die Region hinaus tätig, beispielsweise in Berlin.

Orgelgeschichte

(Die unterstrichenen Begriffe finden sich im Orgelglossar.)

Carl Böttcher baute die Diesdorfer Orgel von 1865 bis 1867, nachdem 1864 in einem Gutachten festgestellt worden war, dass das Vorgängerinstrument nicht mehr repariert werden konnte. Für den Neubau wurden 1591 Taler veranschlagt.

Die zweimanualige Orgel war ein dem Geschmack der Zeit entsprechendes Instrument mit 20 Registern und einem typisch romantischen dunklen Klang. Sie wurde 1867 vom Magdeburger Domorganisten und Königlichen Musikdirektor August Gottfried Ritter abgenommen (siehe dazu auch den Musikkoffer-Artikel über Rudolph Palme, der als Festgabe zum 50-jährigen Amtsjubiläum Ritters das Ritter-Album für die Orgel, eine Sammlung von 55 Orgelstücken, herausgab).

Während des Ersten Weltkriegs mussten die Prospektpfeifen aus Zinn für die Kriegsindustrie abgegeben werden und wurden durch Zinkpfeifen ersetzt. In den 1950er-Jahren fand der damaligen „Mode“ entsprechend ein weitreichender klanglicher Umbau statt hin zu einem eher barocken Klang.

Nach inzwischen über 150-jähriger  Orgelgeschichte soll die wertvolle Orgel einer Grundsanierung unterzogen werden, die für die Jahre 2020/21 geplant ist mit dem Ziel, den originalen Klang wieder herzustellen. Die dazu benötigten 100 000 Euro möchte die Kirchengemeinde durch Fördermittel sowie Spendengelder aufbringen. Dazu wurde ein Spendenaufruf gestartet, der sich an Privatpersonen und Firmen richtet.

Die Gemeinde bietet Kirchenführungen an (Kontakt hier).

Literatur

Sabine Gatz, Art. „Böttcher, Karl Friedrich Wilhelm“, in: Magdeburger Biographisches Lexikon, http://www.uni-magdeburg.de/mbl/Biografien/1678.htm.

Uwe Pape, Wolfram Hackel (Hrsg.), Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Bd. 3: Sachsen-Anhalt und Umgebung, Berlin 2015.

Peter Seyfried, Die Klosterkirche zu Diesdorf/Altmark, 3., überarbeitete Auflage, München Berlin 1998 (= Große Baudenkmäler Heft 463).

Link

https://www.kirchgemeindebereich-diesdorf-mehmke-wallstawe.de

Materialien zum Download

Powerpoint-Präsentation

Von der Taste zum Ton (Eine kleine Führung durch die Orgel)

Arbeitsblätter

Blanko-Arbeitsblätter zum Ausfüllen (für Grundschule und ab Sekundarstufe I) für Exkursionen zu regionalen Orgeln im Unterricht (Erstellung von Orgelsteckbriefen) finden sich auf dem Bildungsserver des Landes unter Regionalkultur.

SM 2019