Musikalische Bräuche

Singen auf der Würfelwiese in Halle

 

Sangesfreudige auf der Würfelwiese

 

Das Singen auf der Würfelwiese an der Saale in Halle in der Nähe des AOK-Gebäudes ist ein gemeinnütziges Projekt der Bürgerstiftung Halle mit Unterstützung hallescher Unternehmen. Seit 2011 findet es jeden Mittwoch von Mai bis September von 17–18 Uhr statt und gehört inzwischen „zum festen Bestandteil der Frühlings- und Sommerfreuden in Halle“, so die Bürgerstiftung.

Die Würfelwiese hat ihren Namen vermutlich vom Würfelspiel, das im Rahmen von Halles ältestem Volksfest, dem seit dem Mittelalter nachgewiesenen „Knoblauchsmittwoch“ am Mittwoch nach Pfingsten, dort praktiziert wurde. Nach einem polizeilichen Verbot im 19. Jahrhundert findet das Fest seit 2002 dank des Engagements der Knoblauchsmittwochsgesellschaft zu Halle an der Saale e. V. wieder jährlich auf der Würfelwiese statt.

Das Würfelwiesensingen ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle, die gerne singen oder einfach nur dem Gesang unter freiem Himmel lauschen wollen. Es vereint sangesfreudige Menschen aller Altersgruppen, angeleitet und begleitet von wechselnden Musikern. Liederhefte können vor Ort gegen einen kleinen Obolus ausgeliehen werden, inzwischen in der 4. Auflage. Sie umfassen zurzeit 99 Lieder wie Jetzt fängt das schöne FrühjahrAn der Saale hellem Strande oder Vogelhochzeit.

An manchen Tagen sind mehr als 140 Sängerinnen und Sänger auf der Würfelwiese versammelt, einige kommen regelmäßig, andere gehen zufällig vorbei und verweilen aus Neugier. Auch wenn die Altersgruppe der „Ü50er“ überwiegt, sind immer wieder ganze Familien und Kinder dabei, die auf diese Weise zwanglos und ohne die „Verpflichtungen“, die ein fester Chor zwangsläufig mit sich bringt, an das gemeinsame Singen herangeführt werden.

Bürgerstiftungen anderer Städte wie Leipzig und Braunschweig haben das Projekt inzwischen für sich entdeckt und bieten ähnliche offene Singen in freier Natur an.

Der hallesche Ahnenforscher, Liedermacher und MZ-Bürgerreporter Frank Motzki, der u. a. auch Lieder über die Martin-Luther-Universität, die Latina August Hermann Francke und das Lindenblütenfest in den Franckeschen Stiftungen schrieb, hat ein Lied der Würfelwiese eigens über das Singen auf der Würfelwiese getextet und komponiert.

Im Hintergrund das AOK-Gebäude

Klangbeispiele

Ich armes welsches Teufli (Einstudierung des Kanons beim Singen auf der Würfelwiese 2015; Text hier)

Lied der Würfelwiese (Text und Musik: Frank Motzki)

Literatur

Janos Stekovics (Hrsg.), Heiko Fiedler (Fotos), Eva Scherf (Text), Inseln im Fluss. Halle zwischen Giebichenstein und Würfelwiese, Dößel 2015.

Links

Bürgerstiftung Halle (Singen auf der Würfelwiese)

Singen auf der Würfelwiese 2018 (TV Halle)

Anregungen für den Unterricht

Ein offenes Singen wie das auf der Würfelwiese lässt sich möglicherweise auch auf dem Schulgelände unter freiem Himmel organisieren, beispielsweise im Rahmen eines Schulfestes. Die Schüler können dazu im Unterricht mit einfachen Mitteln ein Liederheft mit ihren „Hits“ gestalten und dieses an die Festbesucher verteilen (Kriterien zur Gestaltung können auch mit Hilfe des Arbeitsblattes Rudolf Palme – Zusammenstellen von Sammlungen erarbeitet werden). Durch eine direkte Einladung lassen sich vielleicht Alt und Jung zum gemeinsamen Singen animieren.

Zur weiteren Identifikation mit der eigenen Schule kann eine Schulhymne beitragen, wie es sie beispielsweise für die Latina August Hermann Francke bereits gibt (Klangbeispiel hier). Dazu kann im Unterricht entweder ein bekanntes Lied umgetextet werden oder sogar eine Neukomposition entstehen.

SM 2018, letzte Aktualisierung Mai 2019