Musikalische Bräuche

Peitschenknallen im Mansfelder Land

 

„Läufer“ mit Peitsche, Foto: Joachim Blobel

 

Das Peitschenknallen im Mansfelder Land ist untrennbar verbunden mit dem „Pfingsttanz“, der in mehreren mansfeldischen Dörfern alljährlich zu Pfingsten veranstaltet wird, so in Hergisdorf, Ahlsdorf und Kreisfeld.

Bei diesem aus altgermanischer Zeit stammenden heidnischen Brauch, der im Volksmund auch „Dreckschweinfest“ genannt wird, geht es um das Austreiben des Winters durch den Sommer, dessen ritualisierte Ausübung in Hergisdorf bereits im frühen 17. Jahrhundert durch einen Kirchenbucheintrag nachgewiesen werden kann. Die Pfingstgesellschaften der Dörfer im Mansfelder Grund (heute Verbandsgemeinde Mansfelder Grund – Helbra) gelten als die ältesten Heimatvereine im ehemaligen Mansfelder Bergbaurevier (vgl. auch den Musikkoffer-Beitrag zum Mansfelder Bergmannslied).

Die jungen Männer des jeweiligen Ortes, die „Pfingstburschen“, stellen traditionsgemäß als sich im Schlamm suhlende „Dreckschweine“ den Winter dar, der von den weiß gekleideten „Läufern“, die mit bunten Accessoires den Sommer repräsentieren (vgl. dazu auch den Läufer oder „Bändermann“ bei der Spergauer Lichtmeß), schließlich unter lautem Peitschenknallen vertrieben wird. Die gesamte Festveranstaltung, an der Einheimische und Gäste in großer Zahl als Zuschauer und Mitwirkende teilnehmen, erstreckt sich über mehrere Tage inklusive Umzug mit Musikkapelle und Tanzveranstaltungen am Abend.

Seit 2018 gehört der „Pfingsttanz“ in den Grunddörfern offiziell zum bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

„Dreckschweine“ werden vertrieben, Foto: Joachim Blobel

Musikalische Tradition

Aufgabe der Läufer ist es, mit dem lauten Klang ihrer Peitschen die Dorfbewohner am frühen Morgen des Pfingstmontags zu wecken und aus ihren Häusern zu locken. Gemeinsam geht man zum Festplatz, wo ein vorbereitetes Schlammbecken die Dreckschweine zur Schlammschlacht einlädt, bis die den Sommer darstellenden Läufer, oft schon Jungen im Grundschulalter, mit ihren Peitschen den Winter zur Aufgabe bewegen und dabei gleichzeitig die Zuschauer vor Schlammspritzern schützen.

Bereits im frühen Alter erlernen Kinder in der Region den traditionellen Umgang mit der Peitsche als einer Art „Volksinstrument“. Dies trifft vor allem dann zu, wenn auch die Väter darin ausgebildet sind. Eindrucksvoll beschreibt der aus dem Mansfelder Land stammende Filmemacher, Komponist und Schriftsteller Mario Schneider in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm MansFeld (2012) diesen Brauch, indem er drei Hergisdorfer Jungen bei den Vorbereitungen zum Dreckschweinfest begleitet.

Hier wird auch gezeigt, wie viel Übung es erfordert, die über drei Meter lange Peitsche mit dem kurzen Griff mehrmals über dem Kopf zu schwingen und dann ruckartig herumzureißen, um das laute Knallgeräusch beim Aufkommen auf dem Boden hervorzurufen. Der Bewegungsablauf ist schwierig und muss darüber hinaus so gestaltet werden, das die einzelnen „Knaller“ in schneller und gleichmäßiger rhythmischer Abfolge zu hören sind, bei Koordinierung mehrerer Akteure sogar in vielfacher akustischer Verstärkung.

Kurse im Peitschenknallen für Erwachsene und Kinder bieten das Zentrum HarzKultur des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt e. V. und der Harzklub e. V. an.

Klangbeispiel

 

Quelle: Pressedownload zum Film MansFeld

Links

Dreckschweinfest in Hergisdorf 2015 (Beitrag MDR Sachsen Anhalt Heute)

MansFeld, Film von Mario Schneider

Dreckschweinfest. Das Original in Hergisdorf

Pfingstbrauch im Mansfelder Grund – „Dreckschweinfest“ für Unesco-Liste nominiert (Zeitungsartikel)

Pfingsttradition Saucool – Dreckschweinfest in Hergisdorf und Kreisfeld (Zeitungsartikel)

Verein Mansfelder Berg- und Hüttenleute e. V

 

SM 2017